2. – 13. Juni 2021 in Köln, Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr + Online
DE / EN
Newsletter
Kontakt

Kalender

  • 2021
    • Jun
      • 02
      • 03
      • 04
      • 05
      • 06
      • 07
      • 08
      • 09
      • 10
      • 11
      • 12
      • 13

Programm

Akademie Düsseldorf + Online

Die Impulse-AKADEMIE ist einer der zentralen Orte für die Selbstverständigung des Freien Theaters. Auch in der vierten Ausgabe kommen Teilnehmer*innen aus Theorie und Praxis an zwei Wochenenden zusammen, um sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die für Produktion, Ästhetik und gesellschaftliche Positionierung des Freien Theaters prägend sind.

Ein performatives Archiv des Freien Theaters
02.06.–06.06., Graf-Adolf-Straße 49, 40210 Düsseldorf + Online
Sprache: Deutsch
Informationen zur Anmeldung folgen in Kürze.

Seit der Gründung des Impulse Theater Festivals hat sich das Freie Theater stark verändert: ästhetisch, inhaltlich und strukturell. Welche Spuren hat dies in 31 Jahren Festivalgeschichte hinterlassen, welche Überreste sind geblieben? Wie lassen sich mit ihrer Hilfe Aussagen über die Vergangenheit treffen? Und wie könnte ein Archiv aussehen, das die Vergangenheit nicht bloß konserviert, sondern auch vergegenwärtigt? Die ursprünglich für das 30-jährige Festival-Jubiläum geplante Impulse-AKADEMIE errichtet in einem leer stehenden Ladenlokal in Düsseldorf temporär ein lebendiges Archiv aus drei Jahrzehnten Festivalgeschichte.

Ausgewählte Künstler*innen kommen für Forschungsresidenzen nach Düsseldorf und entwickeln ihren eigenen künstlerischen Zugang zu den Relikten vergangener Festivals. Sie befragen Statistiken, Objekte, Fotos und audiovisuelle Medien, Programmhefte, Pressetexte und Zeitzeug*innen. Dabei suchen sie nach dominanten Erzählungen und Utopien oder fragen nach dem Unsichtbaren, Marginalisierten und Ausgegrenzten. Am Ende öffnen die Künstler*innen ihre Werkstätten und geben Einblick in ihre Archivarbeit.

Zeitgleich gehen fünf Künstler*innenkollektive aus NRW, die einer Ausschreibung des Impulse Theater Festivals gefolgt sind, der Frage nach, wie die Archivierung ihrer eigenen künstlerischen Arbeit aussehen kann. Sie erproben beim Durchstöbern ihrer Archivbestände unterschiedliche künstlerische Strategien zur (Selbst-)Archivierung an der Schnittstelle von Theater, Archiv und digitaler Kunst. Ihre Forschungszwischenstände stellen sie während der AKADEMIE vor.

Besucher*innen des Impulse-Archivs können die Arbeitsräume der Künstler*innen auf eigene Faust oder in Führungen erkunden und an den Forschungsprozessen teilhaben.

In täglichen Archiv-Gesprächen diskutieren Expert*innen aus den Forschungsbereichen Kultur- und Medienwissenschaft, Museologie, Historik, Oral History und Zukunftsforschung Prozesse des Archivierens zwischen Erinnerungskultur, utopischen Szenarien und dem Sichtbarmachen von Leerstellen. Zeitzeug*innen aus drei Jahrzehnten Festivalgeschichte geben Einblick in ihre Erinnerungen.

Programmleitung: Daniel Richter
Produktionsleitung: Susanne Berthold
Konzeption 2020: Kolja Burgschuld, Alice Ferl

Die AKADEMIE #1 – GESCHICHTE WIRD GEMACHT findet in Kooperation mit der Initiative für die Archive des Freien Theaters e.V., dem NRW KULTURsekretariat und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW statt.

© Robin Junicke
GESCHICHTE WIRD GEMACHT © Robin Junicke
© Robin Junicke
© Robin Junicke

Programm

Das Archiv in der Graf-Adolf-Straße 49, 40210 Düsseldorf, ist täglich geöffnet. Ein Teil des Programms findet online statt.

Der Aufenthalt vor Ort unterliegt der zum Veranstaltungszeitpunkt gültigen Hygieneverordnung. Daher kann sich nur eine begrenzte Besucher*innenzahl zeitgleich in den Archivräumen aufhalten.

Informationen zur Anmeldung folgen in Kürze.

02.06. 16:00–22:00 Uhr

16:00, 16:15, 16:30, vor Ort
MAKING OF THE ARCHIVE
In einer geführten Gruppe können die Besucher*innen einen Blick hinter die Kulissen des Archivs werfen, mit Künstler*innen und Expert*innen vor Ort direkt ins Gespräch kommen und selbst Archivierungsprozesse erproben.

18:30–19:30, vor Ort + Online
ZEITZEUG*INNEN IM GESPRÄCH
In ihrem Archiv-Projekt CHORUS versammelt die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Christina Irrgang Stimmen von Zeitzeug*innen aus 30 Jahren Festivalgeschichte und damit Erinnerungen und „Impulse“, die das Festival gesetzt hat. Einmal täglich lädt sie eine*n Zeitzeug*in ein, sich vor Ort ihren Fragen zu stellen.

20:00, 20:15, 20:30, vor Ort
MAKING OF THE ARCHIVE
In einer geführten Gruppe können die Besucher*innen einen Blick hinter die Kulissen des Archivs werfen, mit Künstler*innen und Expert*innen vor Ort direkt ins Gespräch kommen und selbst Archivierungsprozesse erproben.

20:00–21:00, Online
ARCHIV-GESPRÄCH Vol. 1
Wilde Archive – Strategien für die Zukunft
Archive, Museen und Theater sind öffentliche Orte lebendiger Aushandlungsprozesse von Gesellschaft. Wie können diese Institutionen und deren Selbstverständnis auf die demografischen, kulturellen und sozialen Veränderungen unserer Gegenwart reagieren? Wie könnte ein widerständiges Archiv funktionieren, dessen Erinnerungsräume ein wild wucherndes Denken jenseits hegemonialer Erzählungen und Ordnungslogiken freisetzen? Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Luisa Ziaja beschäftigt sich in ihrer kuratorischen und diskursiven Arbeit mit dem Verhältnis von Kunst, Gesellschaft und Geschichtspolitik. Im vergangenen Jahr brachte sie gemeinsam mit Nora Sternfeld und Martina Griesser-Stermscheg das Buch „Sich mit Sammlungen anlegen“ heraus. Der Regisseur und Autor Milo Rau erforscht mittels symbolischer Prozesse und Reenactments, die er als „Live-Archive“ bezeichnet, die realpolitische Gegenwart. Beide verbindet die Frage, wie sich die Aufarbeitung von Vergangenem als etwas Gegenwärtiges denken lässt, um Zukunft zu gestalten.
Mit: Luisa Ziaja (Kunsthistorikerin, Kuratorin für zeitgenössische Kunst), Milo Rau (Regisseur, Autor), Moderation: Thomas Kaestle

20:00–22:00, vor Ort
100 MÄNNER, 100 KUCHEN, 100 (POP-)DIVEN
Performative Lesung von Çakey Blond
Welchen konzeptionellen Einfluss haben Lady Gaga, Marmorkuchen und dieser eine One-Night-Stand auf die Performances von Çakey Blond? Welche Texte, Scores oder szenischen Experimente sind durch Buttercremetorte, Barbra Streisand oder diese eine unvergessliche Teenagerromanze inspiriert? In einer improvisierten Lesung stellen Çakey Blond Auszüge aus ihrem im Rahmen des Impulse-Forschungsstipendiums entstandenen Archivbuch vor.

21:00, Online
HIGHLIGHTS AUS DEM IMPULSE-ARCHIV
Einmal täglich haben die Zuschauer*innen die Qual der Wahl. Aus jeweils drei zur Auswahl stehenden Videomitschnitten aus den vergangenen 30 Jahren Festivalgeschichte können sie online ein Lieblingsprojekt auswählen, das ab 17 Uhr für 24 Stunden online abrufbar ist.

03.06. 10:00–17:00 Uhr

10:00–17:00, vor Ort
OFFENES ARCHIV
Täglich ab 10 Uhr ist das Impulse-Archiv für Besucher*innen geöffnet, die auf eigene Faust die Archivräume erkunden wollen und mit den Künstler*innen und Studierenden über ihre Forschungsprozesse ins Gespräch kommen möchten.

10:00–14:00, vor Ort + Online
DIE KUNST DER (SELBST-)ARCHIVIERUNG
Der Kulturforscher Henning Fülle, Mitherausgeber der Dokumentation „Performing the Archive – Studie zur Entwicklung eines Archivs des Freien Theaters“, gibt auf Wunsch interessierten Besucher*innen, die sich mit der Archivierung ihrer künstlerischen Arbeiten beschäftigen, praktische Tipps. Im Online-Format stellt er täglich im Gespräch die Forschungsprozesse der Künstler*innen aus NRW vor, die sich im Rahmen des Impulse-Forschungsstipendiums mit ihrer Selbstarchivierung beschäftigt haben.

11:00–12:00, vor Ort + Online
ZEITZEUG*INNEN IM GESPRÄCH
In ihrem Archiv-Projekt CHORUS versammelt die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Christina Irrgang Stimmen von Zeitzeug*innen aus 30 Jahren Festivalgeschichte und damit Erinnerungen und „Impulse“, die das Festival gesetzt hat. Einmal täglich lädt sie eine*n Zeitzeug*in ein, sich vor Ort ihren Fragen zu stellen.

15:00, 15:15, 15:30, vor Ort
MAKING OF THE ARCHIVE
In einer geführten Gruppe können die Besucher*innen einen Blick hinter die Kulissen des Archivs werfen, mit Künstler*innen und Expert*innen vor Ort direkt ins Gespräch kommen und selbst Archivierungsprozesse erproben.

15:30–17:00, Online
ARCHIV-GESPRÄCH Vol. 2
Archiv & Lücke
In die Archive einzugehen heißt, als bedeutsam und zugehörig anerkannt zu werden. Was gelangt nicht ins Archiv? Wer entscheidet, was bedeutend für die Nachwelt ist? Und was sagt das über die bestehenden Wissensformationen und Machtverhältnisse aus? Ein kritischer Blick auf die Lücken und Leerstellen des Archivs legt Praktiken der Ausgrenzung, Marginalisierung und rassistischen Zuschreibung offen. Wie müssen sich die Produktion und der Austausch von Wissen verändern, welche Sammlungsstrategien sind nötig, um die Demokratisierung und Zugänglichkeit von Archiven sicherzustellen? Mit: Tunay Önder (Publizistin, Kuratorin) und weiteren Gästen, Moderation: Thomas Kaestle

17:00, Online
WUNSCHPROGRAMM AUS DEM IMPULSE-ARCHIV
Einmal täglich haben die Zuschauer*innen die Qual der Wahl. Aus jeweils drei zur Auswahl stehenden Videomitschnitten aus den vergangenen 30 Jahren Festivalgeschichte können sie online ein Lieblingsprojekt auswählen, das ab 17 Uhr für 24 Stunden online abrufbar ist.

04.06. 10:00–17:00 Uhr

10:00–17:00, vor Ort
OFFENES ARCHIV
Täglich ab 10 Uhr ist das Impulse-Archiv für Besucher*innen geöffnet, die auf eigene Faust die Archivräume erkunden wollen und mit den Künstler*innen und Studierenden über ihre Forschungsprozesse ins Gespräch kommen möchten.

10:00–14:00, vor Ort + Online
DIE KUNST DER (SELBST-)ARCHIVIERUNG
Der Kulturforscher Henning Fülle, Mitherausgeber der Dokumentation „Performing the Archive – Studie zur Entwicklung eines Archivs des Freien Theaters“, gibt auf Wunsch interessierten Besucher*innen, die sich mit der Archivierung ihrer künstlerischen Arbeiten beschäftigen, praktische Tipps. Im Online-Format stellt er täglich im Gespräch die Forschungsprozesse der Künstler*innen aus NRW vor, die sich im Rahmen des Impulse-Forschungsstipendiums mit ihrer Selbstarchivierung beschäftigt haben.

11:00–12:00, vor Ort + Online
ZEITZEUG*INNEN IM GESPRÄCH
In ihrem Archiv-Projekt CHORUS versammelt die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Christina Irrgang Stimmen von Zeitzeug*innen aus 30 Jahren Festivalgeschichte und damit Erinnerungen und „Impulse“, die das Festival gesetzt hat. Einmal täglich lädt sie eine*n Zeitzeug*in ein, sich vor Ort ihren Fragen zu stellen.

15:00, 15:15, 15:30, vor Ort
MAKING OF THE ARCHIVE
In einer geführten Gruppe können die Besucher*innen einen Blick hinter die Kulissen des Archivs werfen, mit Künstler*innen und Expert*innen vor Ort direkt ins Gespräch kommen und selbst Archivierungsprozesse erproben.

15:30–17:00, Online
ARCHIV-GESPRÄCH Vol. 3
Archiv & Erinnerung
Subjektive Erinnerung und ihre mündliche Überlieferung sind geprägt von Affekten und Emotionen. Die Unzulänglichkeit von Erinnerung ist Schwäche und Kraft zugleich: Fakten gehen verloren, Fiktionen werden gewonnen. Erinnern heißt (re-)konstruieren. Was geschieht mit persönlichen und kollektiven Erinnerungen im Zeitalter der Digitalisierung? Welche Erinnerungen sind uns zugänglich, und an was wollen wir uns erinnern? Wie wird aus einzelnen Stimmen ein kollektives Gedächtnis?
Mit: Christina Irrgang (Kunst- und Medienwissenschaftlerin), Hans J. Markowitsch (Gedächtnisforscher), Manuel Menke (Kommunikations- und Medienforscher) und Sophie-Charlotte Opitz (Kunst- und Medienwissenschaftlerin), Moderation: Thomas Kaestle

17:00, Online
WUNSCHPROGRAMM AUS DEM IMPULSE-ARCHIV
Einmal täglich haben die Zuschauer*innen die Qual der Wahl. Aus jeweils drei zur Auswahl stehenden Videomitschnitten aus den vergangenen 30 Jahren Festivalgeschichte können sie online ein Lieblingsprojekt auswählen, das ab 17 Uhr für 24 Stunden online abrufbar ist.

05.06. 10:00–17:00 Uhr

10:00–17:00, vor Ort
OFFENES ARCHIV
Täglich ab 10 Uhr ist das Impulse-Archiv für Besucher*innen geöffnet, die auf eigene Faust die Archivräume erkunden wollen und mit den Künstler*innen und Studierenden über ihre Forschungsprozesse ins Gespräch kommen möchten.

10:00–14:00, vor Ort + Online
DIE KUNST DER (SELBST-)ARCHIVIERUNG
Der Kulturforscher Henning Fülle, Mitherausgeber der Dokumentation „Performing the Archive – Studie zur Entwicklung eines Archivs des Freien Theaters“, gibt auf Wunsch interessierten Besucher*innen, die sich mit der Archivierung ihrer künstlerischen Arbeiten beschäftigen, praktische Tipps. Im Online-Format stellt er täglich im Gespräch die Forschungsprozesse der Künstler*innen aus NRW vor, die sich im Rahmen des Impulse-Forschungsstipendiums mit ihrer Selbstarchivierung beschäftigt haben.

11:00–17:00, vor Ort + Online
100 MÄNNER, 100 KUCHEN, 100 (POP-)DIVEN
Marathonlesung von Çakey Blond
Welchen konzeptionellen Einfluss haben Lady Gaga, Marmorkuchen und dieser eine One-Night-Stand auf die Performances von Çakey Blond? Welche Texte, Scores oder szenischen Experimente sind durch Buttercremetorte, Barbra Streisand oder diese eine unvergessliche Teenagerromanze inspiriert? In einer improvisierten Lesung stellt das Künstlerduo Çakey Blond Auszüge aus seinem im Rahmen des Impulse-Forschungsstipendiums entwickelten Archivbuch vor. In einem Sechs-Stunden-Marathon ohne Pause geht es um Torten, Männer und (Pop-)Diven. Ein- und Auslass für das Publikum jederzeit.

11:00–12:00, vor Ort + Online
ZEITZEUG*INNEN IM GESPRÄCH
In ihrem Archiv-Projekt CHORUS versammelt die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Christina Irrgang Stimmen von Zeitzeug*innen aus 30 Jahren Festivalgeschichte und damit Erinnerungen und „Impulse“, die das Festival gesetzt hat. Einmal täglich lädt sie eine*n Zeitzeug*in ein, sich vor Ort ihren Fragen zu stellen.

15:00, 15:15, 15:30, vor Ort
MAKING OF THE ARCHIVE
In einer geführten Gruppe können die Besucher*innen einen Blick hinter die Kulissen des Archivs werfen, mit Künstler*innen und Expert*innen vor Ort direkt ins Gespräch kommen und selbst Archivierungsprozesse erproben.

15:30–17:00 Uhr, Online
ARCHIV-GESPRÄCH Vol. 4
Archiv & Müll
Die vollständige Archivierung der Welt ist Utopie und Albtraum zugleich. Archivieren heißt auswählen. Was aber geschieht, wenn das Archiv Objekte aufnimmt, die die Mehrheit als Müll ansieht? Was sagt der Müll andererseits über unsere Gesellschaft aus? Werte werden infrage gestellt, kommen durcheinander, neue Werte entstehen.
Mit: Paolo Bianchi (Kulturpublizist, Kreativitätsforscher), Marlin de Haan (Künstlerin), Wolfgang Stöcker (Internationales Staubarchiv), Lucie Strecker (Künstlerin), Moderation: Thomas Kaestle

17:00, Online
WUNSCHPROGRAMM AUS DEM IMPULSE-ARCHIV
Einmal täglich haben die Zuschauer*innen die Qual der Wahl. Aus jeweils drei zur Auswahl stehenden Videomitschnitten aus den vergangenen 30 Jahren Festivalgeschichte können sie online ein Lieblingsprojekt auswählen, das ab 17 Uhr für 24 Stunden online abrufbar ist.

06.06. 10:00–20:00 Uhr

10:00
Mitgliederversammlung (geschlossene Veranstaltung)
Initiative für die Archive des Freien Theaters e.V.
Der Verein arbeitet an der Entwicklung einer vornehmlich digitalen Plattform zur Erschließung und Verzeichnung der Archivalien der Freien Darstellenden Künste. Getragen wird die Initiative u. a. vom Bundesverband Freie Darstellende Künste (BFDK), vom Dachverband Tanz, vom NRW KULTURsekretariat und vom Internationalen Theaterinstitut (ITI). Im Rahmen der Impulse-AKADEMIE hält der Verein seine offizielle Jahreshauptversammlung ab.

10:00–17:00, vor Ort
OFFENES ARCHIV
Täglich ab 10 Uhr ist das Impulse-Archiv für Besucher*innen geöffnet, die auf eigene Faust die Archivräume erkunden wollen und mit den Künstler*innen und Studierenden über ihre Forschungsprozesse ins Gespräch kommen möchten.

10:00–14:00, vor Ort + Online
DIE KUNST DER (SELBST-)ARCHIVIERUNG
Der Kulturforscher Henning Fülle, Mitherausgeber der Dokumentation „Performing the Archive – Studie zur Entwicklung eines Archivs des Freien Theaters“, gibt auf Wunsch interessierten Besucher*innen, die sich mit der Archivierung ihrer künstlerischen Arbeiten beschäftigen, praktische Tipps. Im Online-Format stellt er täglich im Gespräch die Forschungsprozesse der Künstler*innen aus NRW vor, die sich im Rahmen des Impulse-Forschungsstipendiums mit ihrer Selbstarchivierung beschäftigt haben.

11:00–12:00 Uhr, vor Ort + Online
ZEITZEUG*INNEN IM GESPRÄCH
In ihrem Archiv-Projekt CHORUS versammelt die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Christina Irrgang Stimmen von Zeitzeug*innen aus 30 Jahren Festivalgeschichte und damit Erinnerungen und „Impulse“, die das Festival gesetzt hat. Einmal täglich lädt sie eine*n Zeitzeug*in ein, sich vor Ort ihren Fragen zu stellen.

15:00, 15:15, 15:30, vor Ort
MAKING OF THE ARCHIVE
In einer geführten Gruppe können die Besucher*innen einen Blick hinter die Kulissen des Archivs werfen, mit Künstler*innen und Expert*innen vor Ort direkt ins Gespräch kommen und selbst Archivierungsprozesse erproben.

15:30–17:00, Online
ARCHIV-GESPRÄCH Vol. 5
Archiv & Utopie
Jedes Archiv enthält auch eine mögliche Zukunft. Aber welche Geschichten wollen wir überhaupt fortschreiben? Was wird morgen wichtig sein? Welche Dokumente können in der Zukunft überhaupt gelesen und gedeutet werden? Ein Gespräch über Kulturtechniken, Technologien und Utopien.
Mit: Nina Tecklenburg (Interrobang), David Weigend (Zukunftsforscher, Futurium), Gerd-Christian Weniger (Archäologe, ehemaliger Leiter des Neanderthal Museums), Moderation: Thomas Kaestle

17:00, Online
WUNSCHPROGRAMM AUS DEM IMPULSE-ARCHIV
Einmal täglich haben die Zuschauer*innen die Qual der Wahl. Aus jeweils drei zur Auswahl stehenden Videomitschnitten aus den vergangenen 30 Jahren Festivalgeschichte können sie online ein Lieblingsprojekt auswählen, das ab 17 Uhr für 24 Stunden online abrufbar ist.

17:00 Uhr, Online
Was bleibt?
Plädoyer für freie Archive
Die AKADEMIE schließt mit einer Begegnung zwischen Expert*innen aus Politik und Wissenschaft und den Künstler*innen des Archivs. Nach einem interaktiven moderierten Rundgang durchs Archiv diskutieren die Teilnehmenden über die Bedeutung von Archivarbeit für die künstlerische Arbeit, die kultur- und gesellschaftspolitische Relevanz eines Archivs der Freien Darstellenden Künste und die Frage, wie sich ein solches temporäres Projekt weiterdenken und verstetigen lässt. Zum Abschluss überreichen die Künstler*innen die Arbeiten der letzten Tage an das Festival-Archiv und geben so jeweils individuelle Antworten auf die Frage: „Was bleibt?“.
Mit: Künstler*innen der AKADEMIE sowie Jürgen Bacia (Leitung Archiv für alternatives Schrifttum), Christian Esch (Leiter NRW KULTURsekretariat), Bettina Milz (Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Referatsleitung Theater und Tanz), Wolfgang Schneider (Initiative für die Archive des Freien Theaters e.V.), Eva-Maria Seng (Professorin für Materielles und Immaterielles Kulturerbe, Universität Paderborn), Martina Wiech (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Leitung Abteilung Rheinland) u. a., Moderation: Christine Henninger (Internationales Theater Institut) und Harald Redmer (im Auftrag des NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste).

Eine Kooperation von NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, Bundesverband Freie Darstellende Künste und Initiative für die Archive des Freien Theaters e.V.

Biografien

Jürgen Bacia studierte politische Wissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und promovierte dort beim Friedensforscher Theodor Ebert. 1985 war er Mitbegründer des Archivs für alternatives Schrifttum, dessen Leiter er seit 1986 ist. Seit 2003 arbeitet er auch für die Archive von unten. Seit 2008 ist er Leiter des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare und Mitbegründer des Arbeitskreises „Überlieferungen der Neuen Sozialen Bewegungen“. Von diesem stammt das 2016 veröffentlichte Positionspapier „Zur Zukunft der Archive von Protest-, Freiheits- und Emanzipationsbewegungen“.

Paolo Bianchi
ist Kurator, Kulturpublizist und Kreativitätsforscher, Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste und lebt in der Nähe von Zürich. Er lehrt, forscht und publiziert zur Geschichte und Kritik des Kreativitätsbegriffs, zu existenziellen Fragen im Kontext von Kunst und Lebenskunst, zur Ästhetik des Kuratierens sowie zur ästhetischen Forschung. Regelmäßig war er als Gastherausgeber für Kunstforum international tätig. Bianchi ist Begründer des ZHDK-Weiterbildungsstudiengangs CREATIONSHIP® – Angewandtes Querdenken & Kreativitäts-Coaching, den er seit 2015 leitet.

Çakey Blond
sind ein schwules deutsch-türkisches Performanceduo. Sie entwickeln in langjähriger Freundschaft gemeinsam Projekte, die zwischen Sanftheit und Direktheit oszillieren. Dabei verwenden sie showästhetische, performative und autobiografische Strategien, um zwischen Live-Event und Konzeptkunst ungewohnte Formate zu konstruieren. Ihre erste gemeinsame Arbeit „Let’s Talk About Love“ wurde 2018 zum FAVORITEN-Festival eingeladen. Daneben erarbeiten sie auch interaktive Projekte wie die Zoom-Gala „Eigentlich ein Eröffnungsfest“ für das Impulse Theater Festival 2020 oder die Outdoor-Tour „Queer Country“ und den Workshop „VOGUE HÜLSHOFF“ für das Center For Literature – Burg Hülshoff (Münster).

Marlin de Haan
ist Regisseurin und Bildhauerin und inszeniert Theaterstücke, Performances und Filme, entwirft Bühnenräume, realisiert Ausstellungen und Interaktionen im öffentlichen Raum, auf Bühnen und im Kunstraum. Ihre Arbeiten wurden u.a. am FFT Düsseldorf, am Schauspielhaus Bochum, im theaterimballsaal Bonn und bei Bomontiada Alt in Istanbul gezeigt, mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet (u. a. Förderpreis der Stadt Düsseldorf, Artist-in-Residence-Programm der Kunststiftung NRW), zu diversen Festivals wie Favoriten, Freischwimmer und WildWest eingeladen und u. a. auf der Manifesta 9 in Genk/Belgien, in der Kunsthalle Düsseldorf und im Kunstverein Schwerte ausgestellt.

Christian Esch ist Direktor des NRW KULTURsekretariats. Er studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie und promovierte zur Oper. Viele Jahre publizierte er Rezensionen und Aufsätze in Tageszeitungen, Rundfunk und Fachpresse. Er war als Musiktheater- und Schauspieldramaturg u. a. in Frankfurt, Innsbruck und München sowie als Produzent und Redakteur beim Hessischen Rundfunk tätig. Neben Lehraufträgen an Hochschulen und vielfältigen (Buch-)Veröffentlichungen zu Kunst und Kultur ist er Mitglied im Musikbeirat des Goethe-Instituts und in anderen Jurys. Er berät die Stadt Duisburg bei der Kulturentwicklungsplanung und ist Träger des Grimme Online Award.

Henning Fülle studierte Geschichte, Politik und Pädagogik in Marburg. Bis 1996 war er in der Erwachsenenbildung tätig, von 1997 bis 2001 Dramaturg auf Kampnagel in Hamburg; seither arbeitet er freischaffend sowie seit 2007 als Hochschullehrer. 2015 promovierte er an der Universität Hildesheim mit der Arbeit „Freies Theater. Die Modernisierung der deutschen Theaterlandschaft (1960–2010)“. Seit 2014 arbeitet er am Projekt „Archiv des Freien Theaters“ und ist mit Christine Henniger und Wolfgang Schneider Herausgeber der Publikation „Performing the Archive. Studie zur Entwicklung eines Archivs des Freien Theaters“. Derzeit forscht er über das Schicksal der Impulse künstlerischer Modernisierung in der Theaterlandschaft der DDR.

Christine Henniger studierte Philosophie und Linguistik an der HU Berlin. Seit 2018 leitet sie die Mediathek für Tanz und Theater am Internationalen Theaterinstitut Deutschland. Koordination und Organisation diverser Digitalisierungsprojekte, u. a. „Nonverbales Theater in Ost-Berlin“ (2019), „Biomechanik Meyerholds“ (2018), „Digitales Archiv Theater der Welt“ (2018), sowie von Forschungs- und Archivprojekten, u. a. „PASSAGE 23°E. Theater und Theatralität vom Baltikum bis zur Ägäis“ (2016/18). Sie engagiert sich in der Initiative für die Archive des Freien Theaters und ist mit Wolfgang Schneider und Henning Fülle Herausgeberin von „Performing the Archive. Studie zur Entwicklung eines Archivs des Freien Theaters“.

Christina Irrgang
ist Wissenschaftlerin, freie Autorin und Musikerin der Band BAR (Band am Rhein), sie lebt und arbeitet in Wuppertal und Düsseldorf. 2018 hat sie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe mit einer medienanalytischen Arbeit über den Fotografen-Unternehmer Heinrich Hoffmann promoviert, die den Blick auf politische Bildstrategien in den von Hoffmann herausgegebenen fotografischen Propaganda-Bildbänden als konstitutiven Teil der nationalsozialistischen (Bild-)Politik richtet (erschien 2020 bei transcript). In ihrer Arbeit als Autorin legt sie mit der Entwicklung konzeptueller Interviewformate einen Schwerpunkt auf Techniken der Gesprächsführung.

Thomas Kaestle
legt als Kulturwissenschaftler Wert auf interdisziplinäre Zusammenhänge. Er ist Mitglied des Expert*innenbeirats für Kunst im öffentlichen Raum Hannover und der Theaterjury des Bremer Kultursenators. Als Kunstvermittler betreut er für das Kulturbüro Hannover das Programm „Kunst umgehen“. Er lehrte in Dortmund, Hildesheim und Kassel in den Fachbereichen Design, Kulturwissenschaften sowie Architektur und Planung. Thomas Kaestle ist Autor wissenschaftlicher, essayistischer und journalistischer Texte zu Kultur, Stadt und Kulturpolitik, schreibt hin und wieder für die VolkswagenStiftung über Wissenschaft und verfasste das aktuelle Jahrbuch des Bundesverbands Freie Darstellende Künste.

Till Müller-Klug
studierte in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft bei Andrzej Wirth und promovierte über „Nietzsches Theaterprojektionen“. Als Autor schrieb er zahlreiche Theaterstücke und Hörspiele, zuletzt u. a. „Der Minusmensch“ (Schauspiel Leipzig).

Hans J.Markowitsch
studierte Psychologie und Biologie an der Universität Konstanz, hatte Professuren für Biopsychologie und Physiologische Psychologie an den Universitäten von Konstanz, Bochum und Bielefeld inne und erhielt Rufe auf Professuren für Psychologie und Neurowissenschaften an australische und kanadische Universitäten. Er kooperierte mit Wissenschaftler*innen an in- und ausländischen Universitäten und Max-Planck-Instituten. Seine Forschungsgebiete sind in den Bereichen von Gedächtnis und Gedächtnisstörungen, sowie Wechselwirkungen zwischen Gedächtnis und Emotion. Er ist Autor oder Herausgeber von einem Dutzend Büchern und mehr als 350 Buch- und Zeitschriftenartikeln.

Tunay Önder
ist als Autorin, Publizistin, Kuratorin sowie als Beraterin für Betroffene von Asyl- und Migrationspolitiken tätig. Nach ihrem Magisterstudium der Soziologie an der Universität Heidelberg und Bosporus Universität Istanbul gründete sie mit Imad Mustafa 2010 den Blog migrantenstadl als virtuelles Spielzimmer für marginalisierte Geschichten. Sie realisiert an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern sowie in der freien Kulturszene kuratorische Konzepte, die Raum für Positionen, Praxen und Perspektiven der postkolonialen Migrationsgesellschaft herstellen. Berufsbegleitend besuchte sie den Universitätslehrgang „Kuratieren in den Szenischen Künsten“ an der Uni Salzburg.

Sophie-Charlotte Opitz
ist promovierte Kunst- und Medienwissenschaftlerin und Kuratorin. Seit 2021 ist sie Direktorin der The Walther Collection, einer Kunstsammlung, die sich in ihren weltweiten Ausstellungen und wissenschaftlichen Publikationen der Untersuchung des fotografischen Mediums widmet. Ihre Doktorarbeit ‚Bilderregungen: Die Produktionsmechanismen zeitgenössischer Kriegsfotografie‘ wurde im Jonas Verlag veröffentlicht und untersucht mitunter die erinnerungskulturellen Sinnzusammenhänge und Sinnverschiebungen innerhalb von Fotografie. Während Stipendien als Kunstkoordinatorin an der Akademie Schloss Solitude (2019) und im Programm „Museumskuratoren für Fotografie“ der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (2019-2020), hat sie international mit Künstler*innen und Wissenschaftler*innen zusammengearbeitet, u.a. im Fotomuseum Winterthur (Schweiz) und dem Victoria & Albert Museum (UK). Opitz‘ Forschungsinteresse umfasst Fragen zu medienübergreifenden Erinnerungsdynamiken, politischer (Un-)Sichtbarkeit und Medialität und Materialität kollektiver Erinnerungskulturen.

Milo Rau studierte Soziologie, Germanistik und Romanistik in Paris, Zürich und Berlin, u. a. bei Tzvetan Todorov und Pierre Bourdieu. Ab 1997 erste Reportagereisen (Chiapas, Kuba), ab 2000 tätig als Autor für die Neue Zürcher Zeitung, ab 2003 Arbeit als Regisseur und Autor im In- und Ausland, u. a. am Maxim Gorki Theater Berlin, Staatsschauspiel Dresden, HAU Berlin, Theaterhaus Gessnerallee Zürich, Teatrul Odeon Bukarest und Beursschouwburg Brüssel. Seine Theaterinszenierungen und Filme wurden zu den wichtigsten nationalen und internationalen Festivals eingeladen. Neben seiner Arbeit für Bühne und Film ist Milo Rau als Dozent für Regie, Kulturtheorie und soziale Plastik an Universitäten und Kunsthochschulen tätig. Er ist Gründer des IIPM – International Institute of Political Murder und wurde mit dem ITI-Preis zum Welttheatertag 2016 und der Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik 2017 geehrt. Seit der Spielzeit 2018/19 ist Rau Künstlerischer Direktor des Nationaltheaters Gent.

Bettina Milz studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und arbeitete als Dramaturgin, Kuratorin, Dozentin und Autorin. Nach der wissenschaftlichen Arbeit bei Hans-Thies Lehmann an der Universität Frankfurt, Dramaturgien und künstlerischen Projektleitungen war sie von 1999 bis 2003 Produktionsleiterin, Dramaturgin und Geschäftsführerin der Jungen Oper der Staatsoper Stuttgart. Sie war künstlerische Projektleiterin der Tanzplattform Deutschland 2006 und des Festivals FAVORITEN 2008. Von 2008 bis 2013 kuratierte sie das Internationale Sommerlabor / TANZLABOR_21 am Mousonturm Frankfurt. Seit 2009 leitet Bettina Milz das Referat für Theater und Tanz im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Harald Redmer blickt auf rund 35 Jahre als freischaffender professioneller Schauspieler, Regisseur und Produzent zurück. Von 2013 bis 2020 war er Geschäftsführer des NRW Landesbüros Freie Darstellende Künste in Dortmund und leitender Geschäftsführer des ältesten deutschsprachigen freien Festivals FAVORITEN. Seit seinem Ausscheiden aus dem Verband arbeitet er freiberuflich als Künstler, Kulturberater und weiterhin als Projektleiter für verschiedene Projekte des Landesbüros. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Arbeits- und Förderstrukturen in der Freien Szene, Kulturelle Bildung und Stadtentwicklung. Er ist Mitglied des fringe ensemble, Bonn.

Wolfgang Schneider
ist Gründungsdirektor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, Mitglied des Vorstands der Initiative für die Archive des Freien Theaters e.V., Mitglied des Internationalen Theaterinstituts, Mitglied des Rats für darstellende Kunst und Tanz im Deutschen Kulturrat, Ehrenmitglied der ASSITEJ Deutschland und der Schweiz sowie Ehrenpräsident der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche. Seit 2017 ist er Vorsitzender des Fonds Darstellende Künste. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Theaterpolitik, zuletzt gemeinsam mit Henning Fülle und Christine Henniger Herausgeber von „Performing the Archive. Studie zur Entwicklung eines Archivs des Freien Theaters“.

Eva-Maria Seng
studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Empirische Kulturwissenschaft / Europäische Ethnologie in Tübingen und München. 1992 Promotion an der Universität Tübingen. 2000 Habilitation an der Universität Halle-Wittenberg. Nach Forschungs- und Lehrtätigkeit in Halle und Zürich erhielt sie 2006 einen Ruf an die Universität Paderborn, wo sie den Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe innehat. Sie beschäftigt sich u. a. mit der Diskussion und Reflexion der Themenkomplexe kulturelles Erbe, Denkmalpflege, Restaurierung, Wiederaufbau, Rekonstruktion sowie Bewahren und Sammeln. 2009/10 war sie Inhaberin des Chaire Alfred Grosser an der Sciences Po, Paris.

Wolfgang Stöcker lernte Vermessungstechnik, studierte Kunst, Geschichte und Pädagogik in Köln und promovierte zum Thema Bestattungskultur im Rheinland. 2004 gründete der Kölner Künstler und Historiker das Deutsche Staubarchiv (2019 umbenannt in Internationales Staubarchiv), eine Sammlung und Dokumentation internationaler historischer Stäube. Dort bietet er u.a. Staubführungen und Führungen in den Mikrokosmos der Orte an.

Lucie Strecker ist eine in Wien lebende Künstlerin und Performerin. Sie arbeitet medienübergreifend, mit einem Schwerpunkt auf experimentellen Systemen, die Biomedien und Performancekunst in Beziehung setzen. Ihre Arbeiten wurden national und international u.a. in Zusammenarbeit mit Klaus Spiess gezeigt. Sie unterrichtete Performance Art und Experience Design an der Freien Universität Bozen. Als Fellow der Universität der Künste Berlin inszenierte und kuratierte sie interdisziplinäre Salons und Symposien. Außerdem ist sie als Senior Artist für das neue Angewandte Performance Lab an der Universität für angewandte Kunst Wien tätig. Zuletzt publizierte sie gemeinsam mit Jens Hauser im Journal Performance Research den Sonderband „On Microperformativity“.

Nina Tecklenburg ist promovierte Theaterwissenschaftlerin, Performerin, Regisseurin und Dramaturgin. Gemeinsam mit Till Müller-Klug ist sie Gründungsmitglied der Gruppe Interrobang. Sie arbeitet freiberuflich mit den Performancegruppen She She Pop, Gob Squad und Lone Twin Theatre. Ihre Forschungsgebiete sind Performativitätstheorie, Erzählforschung, (Kunst-)Praxis als Forschung, Spieletheorie, Gegenwartstheater, Theorie und Geschichte der Performancekunst.

David Weigend leitet den Bereich Bildung und Partizipation am Futurium in Berlin. Mit Partner*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft werden dort neue interaktive Formate zur kreativen Auseinandersetzung mit der Zukunft entwickelt. Weigend ist Volkswirtschaftler, Design-Thinker und Zukunftsforscher. Als Trainer und Moderator hat er zahlreiche Innovations- und Strategieprozesse begleitet. Daneben hat er mehrere Jahre als Spieleentwickler gearbeitet. Seine Leidenschaft ist die Entwicklung neuer Lern- und Interaktionsformate. Ziel seiner Arbeit war es immer, komplexe Sachverhalte verständlich zu machen, für Zukunftsthemen zu begeistern und neue Formen der Auseinandersetzung zu ermöglichen.

Gerd-Christian Weniger studierte Ur- und Frühgeschichte, Biologie und Ethnologie in Münster und Tübingen, wo er 1981 promovierte. Nach seiner Habilitation 1990 in Köln war er Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und außerplanmäßiger Professor am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln. Von 1996 bis 2018 war er Direktor des Neanderthal Museums. Seit 2019 ist er Senior Researcher und Gastkurator. Er blickt auf eine langjährige Ausgrabungs- und Forschungstätigkeit in Deutschland, Nordamerika, Südwesteuropa und Nordafrika zurück und ist Autor und Herausgeber zahlreicher Schriften zu Steinzeitarchäologie, Kulturanthropologie und der Rolle von Museen in der modernen Gesellschaft.

Martina Wiech leitet seit 2014 die Abteilung Rheinland im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Zuvor war sie im Fachbereich Grundsätze und in der Öffentlichkeitsarbeit des Landesarchivs in leitender Position tätig. Nach ihrer Promotion zu einem Thema der frühmittelalterlichen Klostergeschichte 1999 absolvierte sie bis 2001 ihr Archivreferendariat in Münster und Marburg. Sie hat an der Universität Bonn die Fächer Geschichte, Slavistik, Historische Hilfswissenschaften und Mittellatein studiert. Fachliche Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen im Bereich der Digitalisierung, der Archivgeschichte und des Archivrechts. Als Leiterin eines der größten deutschen Archive ist sie in zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen tätig, dazu zählt auch die Mitgliedschaft im Beirat des Deutschen Tanzarchivs.

Luisa Ziaja ist Kunsthistorikerin, Universitätslektorin und seit 2013 Kuratorin für zeitgenössische Kunst an der Österreichischen Galerie Belvedere. Sie unterrichtete an verschiedenen Hochschulen und ist seit 2006 im Leitungsteam des /ecm – Masterlehrgangs für Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien. Sie ist Autorin und Mitherausgeberin von Katalogen und Sammelbänden zu zeitgenössischer künstlerischer und kuratorischer Praxis, Kunst- und Ausstellungstheorie. Zuletzt gab sie gemeinsam mit Nora Sternfeld und Martina Griesser-Stermscheg den Band „Sich mit Sammlungen anlegen“ heraus. In ihre kuratorischen und diskursiven Arbeiten beschäftigt sie sich mit dem Verhältnis von Kunst, Gesellschaft und Geschichtspolitik.

Residenzen

Im Rahmen der AKADEMIE #1 präsentieren vierzehn Künstler*innen und Gruppen ihre Recherchen und Arbeiten. Die Besucher*innen können an den Forschungsprozessen teilhaben und als Kompliz*innen daran mitwirken.

Interrobang: DEEP FAKE IMPULSE. Ein interaktives Zukunftslabor

Wir schreiben das Jahr 2035: Erstmals kuratiert eine künstliche Intelligenz das Impulse Theater Festival. DEEPFAKE IMPULSE imaginiert das (jetzt noch) Unmögliche. Aus den Überbleibseln und Tonspuren vergangener Festivalausgaben baut Interrobang utopische Zukunftsszenarien. Dafür gräbt die Gruppe tief im akustischen Archiv der 30-jährigen Festivalgeschichte: Aufführungsmitschnitte, Medienbeiträge und Interviews werden in einer interaktiven Audio-Installation neu zusammenmontiert. Per Kopfhörer und Tastensteuerung begeben sich die Besucher*innen auf akustische Zeitreisen. Das über den Zeitraum der AKADEMIE täglich anwachsende Zukunftsarchiv kann vom Publikum erforscht und auf Wunsch auch durch selbstproduzierte Audioschnipsel erweitert und mitgestaltet werden.

Konzept: Interrobang
Realisation: Till Müller-Klug, Nina Tecklenburg, Lajos Talamonti und Lisa Großmann
Musik und Soundbearbeitung: Friedrich Greiling
Programmierung: Florian Fischer
Transkriptionen und Mitarbeit: Annelie Uhlig

Christina Irrgang: CHORUS

Was gab es 1990 zu sagen, und was muss auf dem Weg ins Jetzt dringlicher wieder oder anders benannt werden? Was wurde erreicht, wodurch sind wir gewachsen oder aber woran als Menschen kollektiv gescheitert? Christina Irrgang versammelt Stimmen von Zeitzeug*innen aus 30 Jahren Festivalgeschichte und damit Erinnerungen und „Impulse“, die das Festival gesetzt hat. Auf einem Karteikartensystem und assoziativer Notation basierende Gespräche sind Ausgangspunkt für ein vielstimmiges Archiv subjektiv erlebter Geschichte, das den Besucher*innen die Möglichkeit gibt, mit Zeitzeug*innen in Kontakt zu treten: durch Gesprochenes, Geschriebenes, Gehörtes. Eine Oral History, die nicht zuletzt darauf abzielt, begreifbar zu machen, wo das Freie Theater heute ästhetisch, politisch und ökonomisch steht.

notfoundyet: OBJET TROUVÉ

Theatergeschichte zum Anfassen! Sie wollten schon immer das Manuskript der Eröffnungsrede des ersten Festivals 1990 in den Händen halten? Ein Schamhaar aus She She Pops „50 Grades of Shame“ (2016)? Oder Heidis Cowboyhut aus René Polleschs „Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr“ (2000)? Die Mitarbeiter*innen von notfoundyet kümmern sich um Ihr Anliegen. Zum ersten Mal seit 30 Jahren sind Objekte aus drei Jahrzehnten wie Requisiten, Bühnenbilder oder Kostüme öffentlich zugänglich. Durchstöbern Sie die eigens angefertigten Kataloge, leihen Sie Archivalien aus und sprechen Sie mit notfoundyet über die Geschichten hinter den Objekten. Das Künstler*innenduo spielt mit Aura und Authentizitätsversprechen des Archivs und seinem ewigen Dilemma, das Anwesende für das Abwesende sprechen lassen zu müssen.

Beauftragen Sie uns jetzt unter archiv-vorbestellung[a]impulsefestival.de mit der Beschaffung eines Objekts, das Sie schon immer in Händen halten wollten. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das bestellte Objekt können Sie dann zu den Öffnungszeiten des Archivs entgegennehmen.

Tuğba & Tunay Önder: GHOSTED ARCHIVES

Was wäre, wenn ein rassismuskritischer Blick auf das Impulse-Archiv offenbarte, dass die gesellschaftlichen Ausschlussmechanismen in diesem Bereich der Kunst ebenso gegriffen haben wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft? Was wäre, wenn die Freie Szene als geschlossene Gesellschaft entlarvt würde und die Lücken im Archiv sich als klaffende Wunden offenbarten, die das schöne Erinnern stören? Ein Szenario, dem sich die Önder-Geschwister als fachlich ausgebildete Spaßverderberinnen filmisch nähern wollen. Zwischen Fakt und Fiktion, Re- und Dekonstruktion werden marginalisierte Stimmen wie eine Heimsuchung aus der Ferne hörbar: Was erzählen uns die Geister? Was verschweigen sie uns? Warum und wie wurden sie am Zugang zu den Orten der Kulturproduktion gehindert? Und was können wir von ihnen lernen?
GHOSTED ARCHIVES ist eine Videoinstallation, die als performative Befragung der Routinen und Mechanismen in der Herstellung von Archiven verstanden werden kann: Wessen Kunst findet Eingang in die Archive, und wie wirken die Lücken in den Beständen in unsere Gegenwart hinein?

Lucie Strecker & Victoria Vesna: STAR – DUST – KULT

Wir sind es gewohnt, Stars und Sternchen auf der Bühne zu sehen, aber es gibt auch Spuren von Himmelslichtern, die so klein sind, dass man sie gar nicht sieht: Mikrometeoriten reisen luftgetragen als kosmischer Staub in die Tiefen der Bühne. “The cosmos is within us. We are made of star-stuff“, lautet eines der bekanntesten Zitate des Astrophysikers Carl Sagan, denn die Grundbausteine unserer irdischen Existenz – Wasserstoff, Kohlenstoff, oder Sauerstoff – entstanden bei Urknall, Kernfusionsprozessen oder Sternexplosionen. Als Staub überdauern diese Atome Milliarden von Jahren, bevor sie sich erneut mit anderen Atomen zusammenballen und neue Sterne samt Planeten formen. Jedes Atom auf der Erde, somit auch jedes Atom des menschlichen Körpers, ist diesen Weg gegangen. Diese astrophysische Verbindung teilen wir mit unseren unzähligen nicht-menschlichen Geschwistern: Tieren, Pflanzen, Insekten, Plankton, Bakterien und Viren. Lucie Strecker sucht nun mit Victoria Vesna, Expertin für die künstlerische Forschung zu extraterrestrischem Staub, auf Bühnen des Impulse Theater Festivals der letzten 30 Jahre nach Mikrometeoriten. Die Suche mündet in eine multimediale Installation, in der das Publikum den Arbeitsprozess nachvollziehen und mit Inszenierungen aus der Vergangenheit verknüpfen kann: Textpassagen ausgewählter Stücke in Staub geschrieben werden zu Bildmarken für eine interaktive und virtuelle Begegnung mit den kosmischen Besucher*innen der Bühne, die sich in den fragmentierten Feststoffen der Geschichte verbergen.

Otmar Wagner: ARCHIV DER ABSCHWEIFUNG

In Otmar Wagners Archiv-Abteilung kehrt das Prinzip geteilter Ordner aus der Cloud in die analoge Welt zurück. In Aktenmappen sammelt Wagner, unterstützt von Lars Moritz (Dramaturgie und Recherche), jene Materialien und Informationen aus der 30-jährigen Festivalgeschichte, die ihm interessant erscheinen. Ergänzt wird die Sammlung um jede Menge Meta-Material, Texte, Objekte, Links, zeithistorische und privatistische Assoziationen. Gemeinsam mit den Besucher*innen erweckt Otmar Wagner dieses Ordnersystem zu neuem Leben, greift geplant und zufällig Material heraus, versucht, Verknüpfungen herzustellen, und entwickelt Handlungsanweisungen für sich und die Besucher*innen: Es wird gesungen, reenactet, gelesen, gebastelt und performt. Daraus entstehen essayistische Streifzüge, die ihren Ausgangspunkt in der Frage nehmen, was Archive sein können und wo sie sich im Oszillieren zwischen Erinnern und Vergessen verorten.

Forschungsstipendien

Fünf Künstler*innenkollektive aus NRW gehen der Frage nach, wie eine Archivierung ihrer eigenen künstlerischen Arbeit funktionieren kann. Beim Durchstöbern ihrer Archivbestände erproben sie unterschiedliche künstlerische Strategien zur (Selbst-)Archivierung an der Schnittstelle von Theater, Archiv und digitaler Kunst. Die Zwischenstände ihrer Forschung stellen sie während der AKADEMIE vor.

Anna Kpok: ANNA KPOK AUF DER SUCHE NACH DER KOLLEKTIVEN ZEIT

Bierdeckel, Postkarten, Schaufensterpuppen, DIY-Mischpulte, Kosmo-Leggings. Jede*r, der*die zum Kollektiv Anna Kpok gehört (und das sind viele), besitzt irgendwo ein Überbleibsel aus einer Produktion. Diese Gegenstände rufen Erinnerungen wach und verbinden die Einzelnen mit dem Kollektiv. In Bildern und Interviews sammelt Anna Kpok diese Dinge und ihre Geschichten, um damit ein Archiv aufzubauen, das von dem Gefühl erzählt, Teil eines Kollektivs zu sein. Es ist ein Archiv der kollektiven Reste und Erzählungen, das nachspürt, wie die einzelnen Annas mit dem Kollektiv verbunden waren und es immer noch sind.

Da Anna Kpok gerne ihr Publikum einlädt, mit ihr auf die Suche zu gehen, programmiert sie aus dem gesammelten Material ein Computerspiel. Die Besucher*innen der Impulse AKADEMIE werden zu Testspieler*innen und können in die kollektiven Reste eintauchen. Sie steuern Anna Kpok durch ein abstraktes Bochum und erspielen die Verbindungen zwischen den Orten, den Gegenständen und den Erzählungen.

Von: Emese Bodolay, Gábor Bodolay, Mia Sellmann, Grit Schuster und Almut Pape

Çakey Blond: 100 MÄNNER, 100 KUCHEN, 100 (POP-)DIVEN

Çakey Blond laden zum performativen Kaffeekränzchen! Dabei geht es um die drei zentralen Motivgruppen im Schaffen des Performanceduos: Männer, Kuchen und (Pop-)Diven. Welchen konzeptionellen Einfluss haben Lady Gaga, Marmorkuchen und dieser eine One-Night-Stand auf die Performances von Çakey Blond? Welche Texte, Scores oder szenischen Experimente sind von Buttercremetorte, Barbra Streisand oder jener unvergesslichen Teenagerromanze inspiriert? In drei thematischen Listen mit jeweils 100 Einträgen hat das Duo Teilaspekte seines bisherigen Schaffens je einem Eintrag zugeordnet. Aus den Listen entsteht ein limitiertes Künstlerbuch, das im Zentrum der Begegnungen mit dem Publikum steht, bei dem Çakey Blond aus einem Konvolut von Souvenirs, Chatverläufen, Musikalben, Rechnungen, verworfenen Konzepten, Rezepten und anderen Erinnerungsstücken eine Autohommage auf sich selbst zelebrieren.

Futur3 und Andreas Maria Fohr: PORTABLE ARCHIVE

In diesem Archiv können Besucher*innen ausgewählte Produktionen aus über 20 Jahren Theaterarbeit von Futur3 reaktivieren. In Boxen finden sich Bruch- und Versatzstücke, Performance-„Grundrisse“ sowie Akteur-, Ereignis- und Kontextkarten zu jeweils einer Inszenierung – freigegeben für subjektive Interpretationen, für neue Sinnzusammenhänge innerhalb, zwischen und außerhalb der Werke. Zu zweit spielen die Besucher*innen für- und miteinander, um das gefundene Material neu zu aktivieren, in eigene Kontexte zu stellen und die vergangene Inszenierung fortzuschreiben, subjektiv und unvorhersehbar.

Ben J. Riepe: FREIRAUM.digital

Der FREIRAUM.digital ist das digitale Pendant zum analogen FREIRAUM – einem 2020 eröffneten interdisziplinären Konzeptions- und Arbeitsort für die Künste und Wissenschaften in Düsseldorf. Aktuell erforscht das FREIRAUM-Team verschiedene Möglichkeiten, um geschützte digitale Arbeitsräume für kollaborative Digitalproduktionen und Präsentationen zu schaffen, in denen informelle, (halb-)öffentliche und zufällige Begegnungen möglich sind. Das Team experimentiert einerseits mit einer Form des flüchtig-vergänglichen Zeigens, andererseits mit einer dauerhaften, übersichtlichen Form der Archivierung und Sichtbarmachung. Im Rahmen der AKADEMIE soll es die Möglichkeit geben, erste Aspekte des FREIRAUM.digital zu erproben und zu diskutieren. Dieses Feedback soll in die Weiterentwicklung des Projekts mit einfließen. Denn der FREIRAUM.digital soll ein lebendiges System sein, das sich organisch mit den Bedürfnissen seiner Nutzer*innen weiterentwickelt.

PIMA LAB

In der Impulse-AKADEMIE forscht PIMA LAB an Fragen von Präsentation, Recherche und Vernetzung. In der räumlichen Versuchsanordnung des LABs werden die Anforderungen an ein digital-künstlerisches Archiv gemeinsam mit den Besucher*innen diskutiert. PIMA will mit den gewonnenen Erkenntnissen ein kollaboratives Archiv-Game für die darstellenden Künste entwickeln, das durch eine nichtlineare und assoziative Suche Möglichkeits(T)räume der Vernetzung schafft. Die Game-Mechanik, die mit Dodekaedern digital konstruiert ist, wird in der AKADEMIE als haptische Installation aus Pappe zum Display der Diskussionsbeiträge. Besucher*innen nutzen die Dodekaeder als Rechercheobjekte, indem sie ihre Kriterien für das Archiv auf die Flächen schreiben. Die Künstlerinnen Malin Harff und Pia Janssen agieren als performatives Forschungsteam des Laboratoriums. LET’S PLAY!

Hochschulkooperationen

Im Rahmen der AKADEMIE #1 forschen Studierende aus Szenischer Forschung, Bühnen- und Kostümbild und Theaterwissenschaft zu Geschichte und Gegenwart des Festivals und verhandeln ihre Ergebnisse öffentlich.

SAMMLUNG 2021 (Ruhr-Universität Bochum)

Studierende des Instituts für Theaterwissenschaft
Leitung: Marlin de Haan

Statt den Blick auf die Vergangenheit zu werfen, wagen die Studierenden der Theaterwissenschaft und der Szenischen Forschung die Operation am offenen Herzen: In einem unmöglich anmutenden Unterfangen archivieren sie fortlaufend das diesjährige Festival. Das eingesammelte Material aus den Händen von Künstler*innen und Publikum wird vom SHOWCASE in Köln nach Düsseldorf ins Archiv gebracht. Was soll bleiben? Was kann weg? Gemeinsam mit den Besucher*innen der Impulse-AKADEMIE wählen sie Objekte, Momente und Vorgänge aus, notieren, sammeln und werfen weg. Wie lässt sich das Davor, Dazwischen und Danach eines Festivals erfassen? Was wird ausgewählt, was nicht, und warum diese Auswahl?

STAUB AUFWIRBELN (Ruhr-Universität Bochum)

Marlene Helling, Sophia Helm, Birk-André Hildebrandt, Felix Schwaiger, Ellen Ungerer, Sonja Vallot, Laura Zielinski (Studierende des Instituts für Theaterwissenschaft)

Leitung: Valeska Klug
Gäste: Henning Fülle, Christine Henniger, Dorothea Volz, Maxim Wittenbecher

Was hat sich in drei Festivaljahrzehnten thematisch, ästhetisch und strukturell beim Impulse Theater Festival getan? Aus der Perspektive von der Archäolog*innen und Archivar*innen haben Theaterwissenschaftsstudierende der Ruhr-Universität Bochum Programmhefte und Korrespondenzen, Fotos, Presseartikel, Essays und all das, was das Impulse-Archiv hergibt, durchforstet. Was wurde aufbewahrt – was fehlt? Was bedeutet das für die Erinnerung an 30 Jahre Impulse? Wie können daraus wiederum neue Dinge entstehen? Die Seminarteilnehmer*innen haben sich mit dem Material auseinandergesetzt, es befragt, zerlegt und collagiert. Im Rahmen der Impulse-AKADEMIE präsentieren sie die Erkenntnisse aus ihren Recherchen in eigenen künstlerischen Arbeiten.

LÖCHER IM ARCHIV (Hochschule für Bildende Künste Dresden)

Wiebke Breitenfeld, Hannah Enste, Antonia Krull, Andrea Künemund, Claudine Walter, Mila Weinert, Hans Werner, Hanna Zeyer (Studierende des Studiengangs Bühnen- und Kostümbild) Leitung: Kattrin Michel und Knut Klaßen

In Archiven wird gesammelt, was gemäß der gegenwärtigen kulturellen Ordnung als aufbewahrenswert erscheint. Damit verkörpern Archive einen unauflöslichen Bund von Gesetz und Gedächtnis. Wie könnte dann ein Archiv des Freien Theaters beschaffen sein? Kann es so etwas wie ein „Archiv des Flüchtigen“ überhaupt geben? Die Studierenden haben zu historischen und zeitgenössischen Archiven recherchiert und eine räumliche Gestaltung des Gebäudes entworfen. Die flüchtige Architektur, die dabei entsteht, verändert sich über die Dauer der AKADEMIE ständig und spiegelt so gleichzeitig die Notwendigkeit einer Ordnung und die Lust daran, diese immer wieder zu stören.

Theatrale Gemeinschaft, Protest und internationale Zusammenarbeit in einer körperlosen Zeit
10.–12.06., Konferenzprogramm Online, Workshops an verschiedenen Orten
Sprache: Englisch

Die Pandemie hat die Theater weltweit hart getroffen. An den Orten, die geschaffen wurden, damit Körper sich versammeln und eine gemeinsame sinnliche Erfahrung teilen können, herrscht seit über einem Jahr die meiste Zeit: Leere. Die Impulse-AKADEMIE schaut sich diesen Zustand genauer an. Was geht verloren, wenn Aufführungen und Arbeitsprozesse im digitalen Raum stattfinden? Was wird gewonnen?

Die drei AKADEMIE-Tage finden in einem hybriden Format sowohl online als auch vor Ort in Düsseldorf und Köln, Bangalore, Bern, Johannesburg und Minsk statt:
Die Vorträge und Diskussionen am Vormittag fokussieren auf die Rolle des Körpers für Gemeinschaftsbildung, politischen Protest und internationale Zusammenarbeit.
In einem mehrtägigen Workshop am Nachmittag erproben die Teilnehmenden die Kunst von Berührung, Geruch, Nähe und Verwundbarkeit.

Programmleitung: Anne Schulz
Workshopleitung: Sibylle Peters
Produktionsleitung: Lena Busse

Die AKADEMIE #2 – LOST IN SPACE? wird gefördert durch das Goethe-Institut und das Internationale Besucher*innenprogramm des NRW KULTURsekretariats.

LOST IN SPACE © Sibylle Peters
LOST IN SPACE © Sibylle Peters

Konferenzprogramm: Online via Zoom
10.–12.06. jeweils 10:00–13:00 Uhr
Informationen zur Anmeldung folgen in Kürze.

10.06. Körper und Gemeinschaftsbildung

Welche Bedeutung hat das physische Beisammensein für das Theatererlebnis, und was verlieren wir, wenn das Publikum zu Hause am Laptop oder Handy sitzt? Wie hat sich unsere Wahrnehmung von Intimität und Berührung in Zeiten physischer Distanz verändert?

Informationen zur Anmeldung folgen in Kürze.

10:00 Begrüßung

10:10 Keynote und Diskussion: Mazda Adli, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité, Berlin
11:00 Stacie CC Graham: 15 Minuten Achtsamkeit
11:15 Samara Hersch und Damian Rebgetz, Input und Diskussion
Moderation: Eva Neklyaeva

12:00 h a p t I c a f f I n I t i e s - a study group on touch, haptic aesthetics and intimacy in the arts
Initiiert von: Anneliese Ostertag, Sofie Luckhardt, Belle Santos und Rahel Spöhrer

11.06. Körper und politischer Protest

Welche Bedeutung haben die Sichtbarkeit und die Verwundbarkeit des Körpers für die Wirksamkeit politischer Protestbewegungen? Welchen Einfluss hat und hatte Covid-19 darauf?

Informationen zur Anmeldung folgen in Kürze.

10:00 Keynote und Diskussion: Kirsten Maar, Freie Universität Berlin, Institut für Theaterwissenschaft
10:45 Stacie CC Graham: 15 Minuten Achtsamkeit
11:00 Joana Tischkau und Julian Warner, Inputs und Diskussion
Moderation: Irina Bârcă

12:00 Diskussion in Kooperation mit dem Goethe-Institut Belarus

12.06. Körper und internationale Zusammenarbeit

Welche Bedeutung haben physische Begegnungen für gemeinsame kreative Prozesse und die Entwicklung einer guten Arbeitsbeziehung? Inwieweit können wir sie durch Online-Tools ersetzen? Und was bedeutet das für die Zukunft einer klimafreundlichen und dekolonialen internationalen Zusammenarbeit?

Informationen zur Anmeldung folgen in Kürze.

10:00 Keynote und Diskussion: Maren Urner, Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft, Köln
10:45 Stacie CC Graham: 15 Minuten Achtsamkeit
11:00 Ant Hampton und Lázaro Gabino Rodríguez (Lagartijas tiradas al sol, Mexiko), Inputs und Diskussion
Moderation: N.N.

12:00 Jayachandran Palazhy (Attakkalari Centre for Movement Arts, Bangalore) und Clara Vaughan (Market Theatre Laboratory, Johannesburg), Inputs und Diskussion
Moderation: Ogutu Muraya

12:45 Schlussrunde

Biografien

Mazda Adli ist Psychiater und Stressforscher. Er leitet die Fliedner Klinik Berlin sowie den Forschungsbereich Affektive Störungen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er hat u. a. das Interdisziplinäre Forum Neurourbanistik ins Leben gerufen, das sich mit der Untersuchung des Einflusses von Stadtleben auf Emotionen und psychische Gesundheit beschäftigt, und ist Gründer der „Singing Shrinks“, des einzigen Psychiater-Chors der Welt. 2017 erschien sein Buch „Stress and the City: Warum Städte uns krank machen. Und warum sie trotzdem gut für uns sind“.

Stacie CC Graham (German translation to follow.) is a management consultant, executive coach, founder, speaker and writer. In her work, she uses practices and tools such as mindful leadership, intersectional attunement as well as emotional and social intelligence. Her holistic wellness brand, OYA: Body-Mind-Spirit Retreats, is dedicated to underrepresented communities typically underserved by the mainstream wellness industry. With an MS in economics and a PhD in psychology as well as experience living and working in different parts of the world, she continues to cultivate a nuanced understanding of underlying drivers of human motivation and behavior.

Ant Hampton ist Performancekünstler. Seine Arbeiten sind gekennzeichnet von einer deutlichen Spannung zwischen strengen formalen und strukturellen Elementen und solchen, die im Moment der Aufführung gelebt und verhandelt werden. Er entwickelte kleinformatige, intime Projekte, die den Zuschauer selbst einbezogen, und in Cafés („Etiquette“) oder im Lesesaal einer Bibliothek stattfanden („The Quiet Volume“). Seine letzten Arbeiten ermutigen das Publikum, selbst Wagnisse einzugehen, mit realen Konsequenzen („Someone Else“, „The Thing“).

Samara Hersch ist Theatermacherin, Regisseurin und Künstlerin, deren Praxis die Intersektionen von zeitgenössischer Performance und gesellschaftlichem Engagement erforscht. Sie schloss kürzlich ihren Master an Das Theatre in Amsterdam ab. Ihr Interesse gilt dem generationenübergreifenden Diskurs und nicht-hierarchischen Formen des Wissensaustauschs. Ihre Arbeit WE ALL KNOW WHAT‘S HAPPENING, die sie zusammen mit Lara Thoms und sieben Kindern aus Melbourne realisierte, wurde mit dem ZKB Förderpreis und dem Publikumspreis des Zürcher Theater Spektakels 2019 sowie dem Green Room Award für die beste zeitgenössische und experimentelle Performance in Melbourne ausgezeichnet.

Kirsten Maar
ist seit 2018 Juniorprofessorin für Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Dramaturgin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen choreografische Verfahren im 20. Jahrhundert, Entgrenzungen zwischen Choreografie, Architektur und Bildender Kunst sowie intersektionale Diskurse und Kanonfragen.

Lázaro Gabino Rodriguez hat die Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten (AHK) mit einem Master in Theater abgeschlossen. In seiner Arbeit erkundet er Konzepte von wahr und falsch, ausgehend von persönlichen Erinnerungen und deren Verhältnis zu Fiktionen. 2003 gründete er mit Luisa Pardo das Künstler*innenkollektiv Lagartijas tiradas al sol, mit dem sie Projekte in den Formaten Theater, Text, Film, Pädagogik und Radio entwickeln. Ihre Arbeit wird in Mexiko und international gezeigt.

Joana Tischkau tanzt. Eine der ersten Erinnerungen daran ist der Moment, als sie zu Kaomas Hit „Lambada“ von 1989 auf einer Kindergeburtstagsparty abdancte. Diese Erfahrung bewegte sie dazu, sich bei der Tanzschule nebenan für Jazzdance, Streetdance und Videoclip-Dancing anzumelden. Später studierte sie Tanz und Schauspiel an der Coventry University in Großbritannien sowie Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Ihre künstlerische Praxis ist ein hybrides Durcheinander, das die Schriften von bel hooks auf Beatboxing treffen lässt, in dem ein Fitness-Workout aus weißem Bewegungsmaterial entsteht und Roberto Blanco als König Schwarzer deutscher Unterhaltungskunst gehuldigt wird. PLAYBLACK ist ihre Master-Abschlussinszenierung.

Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln. Sie studierte Kognitions- und Neurowissenschaften und wurde am University College London in Neurowissenschaften promoviert. 2016 gründete sie das Online-Magazin „Perspective Daily“ für Konstruktiven Journalismus mit und leitete die Redaktion bis März 2019. Ihr erstes Buch „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ ist ein Bestseller, ihr zweites Buch „Raus aus der ewigen Dauerkrise“ erscheint im Mai 2021.

Clara Vaughan ist die Leiterin des Market Theatre Laboratory in Johannesburg, Südafrika, sowie Theatermacherin, Kulturmanagerin und Autorin. Im Market Lab bringt sie Theaterschaffende und andere Künstler*innen für kollaborative Arbeitsprozesse des Lernens, Herstellens, Experimentieren und Recherchierens zusammen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Nachwuchskünstler*innen sowie subalternen Erfahrungen, Stimmen und Identitäten.

Julian Warner arbeitet als Kulturanthropologe interdisziplinär in den Bereichen Kuration, Musik, Performance-Kunst und Wissenschaft. Er ist künstlerischer Leiter des Festivals der Kulturregion Stuttgart 2022 und Kurator für das Performance-Festival Spielart in München. Unter dem Alias Fehler Kuti veröffentlicht er Diskurs-Pop. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete Warner am Institut für Kulturanthropologie der Georg-August-Universität Göttingen. Im April 2021 erscheint der von ihm herausgegebene Sammelband AFTER EUROPE – Beiträge zur dekolonialen Kritik im Verbrecher Verlag

Workshop: Düsseldorf, vor Ort
10.–12.06. jeweils 14:30–17:00 Uhr
Nur nach Anmeldung

Exercises in Social Intimacy. Ein internationaler Workshop zur Kunst der Berührung und anderen verbotenen Genüssen

Ort wird nach Anmeldung bekannt gegeben.
Gastgeber*innen: Sibylle Peters mit Charlotte Pfeifer und Ansuman Biswas sowie als Gast Moritz Frischkorn
Arbeitssprache: Englisch

Was es heißt, allein zu sein, und was es heißt, verbunden zu sein, hat sich durch die Pandemie verändert. Corona ist ein gemeinsames Problem, das uns voneinander trennt. Doch die Sicherheit der Isolation bringt ihre eigenen Gefahren mit sich: Wenn unsere Körper andere Körper nicht riechen und berühren können, bleiben unsere Stresslevels hoch. Angst und Depression treten an die Stelle geteilter Verwundbarkeit. Die Dornenhecken um unsere Schlösser schießen in die Höhe. Zugleich haben digitale Versammlungen reale Zusammenkünfte ersetzt und Menschen – auch global – in neuer Weise miteinander verbunden. Theater und Performance erscheinen vor diesem Hintergrund in neuem Licht: als Künste der Intimität, die Menschen einander nahebringen und sie einladen, ihre Verletzlichkeit zu teilen und mitzuteilen.

Exercises in Social Intimacy verbindet 90 Teilnehmer*innen lokal und global, körperlich und digital. Gruppen in Düsseldorf und Köln, Bangalore, Bern, Johannesburg und Minsk treffen sich unter Einhaltung der jeweils geltenden Hygieneregeln vor Ort und tauschen sich in Videokonferenzen untereinander aus. Sie erproben die Kunst von Berührung, Geruch und Nähe und experimentieren mit der Beziehung von Intimität und Abstand.

„Pleasure Activism ist gefragt, um das Vertrauen zwischen den Körpern wiederzufinden. Lasst uns die Prinzessin sein, die die Dornenhecken durchdringt und die schlafenden Schönheiten wachküsst!“ Sibylle Peters

Informationen zur Anmeldung
Die Teilnahme am Workshop ist nur vor Ort möglich. Eine Online-Teilnahme ist nicht möglich.
Für die Teilnahme an der Workshop-Gruppe in Düsseldorf melden Sie sich bitte unter email hidden; JavaScript is required an. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Kostenbeitrag für die drei Workshop-Nachmittage inkl. Verpflegung beträgt 30 Euro.

Der Workshop findet unter Einhaltung der dann geltenden Hygieneverordnung statt. Die Teilnehmenden verpflichten sich, täglich einen von den Veranstalter*innen organisierten Corona-Schnelltest durchzuführen.

Internationale Co-Gastgeber*innen:
Attakkalari Center for Movement Arts, Bangalore (Indien)
Hochschule der Künste Bern, Fachbereich Theater (Schweiz)
The Market Theatre Laboratory, Johannesburg (Südafrika)
Universität zu Köln, Institut für Kunst & Kunsttheorie
Goethe-Institut Belarus

Die AKADEMIE #2 – LOST IN SPACE? wird gefördert durch das Goethe-Institut und das Internationale Besucher*innenprogramm des NRW KULTURsekretariats.

Stadtprojekt Mülheim an der Ruhr

Das Impulse-STADTPROJEKT verknüpft brennende Fragen unserer Zeit mit einem lokalen Kontext – eine Herangehensweise darstellender Kunst, die in der Freien Szene entstanden ist. In der diesjährigen Festivalausgabe geht es in Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr um die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich.

03.–13.06.

Wenn wir in die Mitte schauen, dann ist da: nahezu nichts. Was früher das Zentrum der Gesellschaft war, hat sich zunehmend entleert. Denn die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher. Auch Mülheim an der Ruhr ist eine Stadt mit einer leeren Mitte. Die Reichen wohnen im Wald, die Armen hinterm Bahnhof, dazwischen fließt die Ruhr. Unter den nordrhein-westfälischen Großstädten ist Mülheim jene mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung und zugleich Wohnort von mehreren Multi-Milliardären. Wo ließe sich das Auseinanderdriften der Gesellschaft besser betrachten als hier? Das Projekt der Künstler*innengruppe Club Real zeigt, wie sich die soziale Schere immer weiter öffnet, langsam, aber stetig. Wie lang geht das gut? Was kann die Gesellschaft aushalten? DIE GROSSE SCHERE macht es unmöglich, die zunehmende Ungleichheit zu übersehen. Wie können wir die Schere wieder schließen? Wie die leere Mitte wieder füllen?

© Robin Junicke
© Robin Junicke
© Georg Reinhardt
© Georg Reinhardt

Club Real: Paz Ponce, Mathias Lenz, Marianne Ramsay-Sonneck, Georg Reinhardt

Dramaturgie: Haiko Pfost, Wilma Renfordt
Produktionsleitung: Zsolt Káldy
Produktionsassistenz: Anna Jungfer

Das STADTPROJEKT – DIE GROSSE SCHERE ist eine Koproduktion von Club Real, Ringlokschuppen Ruhr und Impulse Theater Festival in Zusammenarbeit mit Eigentum verpflichtet e.V., gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Fonds Darstellende Künste.

Über Club Real

Die Künstler*innengruppe Club Real verwirklicht seit dem Jahr 2000 partizipative, ortsspezifische Projekte: Mit Installationen, Eins-zu-Eins-Begegnungen, politischen Rollenspielen und partizipativen Stadtentwicklungsprojekten lädt Club Real die Besucher*innen ein, alternative Realitätsentwürfe mitzugestalten. Von 2015 bis 2017 verwirklichte die Gruppe in Frankfurt (Oder) und Słubice das Projekt„Folkstheater / Teatr Ludowy“, über das sie 2018 im Verlag Theater der Zeit ein Buch herausbrachte: „Partizipation Stadt Theater“. 2019 war Club Real bei der 13. Havanna-Biennale auf Kuba mit der immersiven Performance-Installation „LASA10CARNAVAL“ vertreten. Zurzeit arbeitet Club Real in Berlin und Freiburg an dem partizipativen Politexperiment „Jenseits der Natur“, einem Modellprojekt, das auch nichtmenschlichen Lebewesen politische Rechte zuspricht. Die Wiener Arbeit dieser Reihe war 2019 zum Impulse-SHOWCASE eingeladen. Für DIE GROSSE SCHERE arbeiten Paz Ponce, Mathias Lenz, Marianne Ramsay-Sonneck und Georg Reinhardt als Club Real zusammen.

Showcase Köln + Online

In Kooperation mit der studiobühneköln sind an verschiedenen Kölner Spielstätten Gastspiele herausragender und herausfordernder Produktionen der vergangenen Saison geplant. Der SHOWCASE zeigt das Besondere der Freien Szene in einer großen Vielfalt unterschiedlicher Theaterformen — analog, hybrid und online.

Bei der diesjährigen Auswahl zum SHOWCASE schlug das Impulse Theater Festival einen Sonderweg ein. Das endgültige Programm des SHOWCASE 2021 entspricht nicht der „Auswahl 2021” und wird laufend adaptiert. Denn in diesem Jahr können coronabedingt nicht alle ausgewählten Produktionen realisiert werden. Endgültig eingeladen werden können nur jene Produktionen aus der getroffenen Auswahl, die unter den zum Festivalzeitpunkt geltenden Hygieneauflagen realisierbar sind. Wird eine Arbeit ausgewählt, kann aber nicht gezeigt werden, erhalten die Künstler*innen ein Preisgeld. Damit will das Festival den Planungsunsicherheiten und existenziellen Sorgen, denen Künstler*innen derzeit ausgesetzt sind, ein Stück weit entgegenwirken. Das Programm wird um Produktionen erweitert, die im letzten Jahr nicht gezeigt werden konnten. Einige Arbeiten werden als Online-Adaptionen präsentiert.

Tanz

Florentina Holzinger

Anmut und Harmonie des romantischen Balletts treffen auf derbe Späße mit künstlichem Gedärm, Motorrädern und Fleischerhaken. Opulent und tabulos zelebriert Florentina Holzinger in ihrem von der Presse gefeierten „Meisterwerk“ Kritik und Freude an der Zurichtung des weiblichen Körpers.

VERSCHOBEN

Schauspiel Köln, Depot 1
Sprache: Englisch
Altersfreigabe: ab 18 Jahren

© Eva Würdinger
© Nada Zgank
© Eva Würdinger
© Eva Würdinger

Den Rahmen von TANZ bildet eine Ballettklasse unter der Leitung von Beatrice Cordua, die 1972 als erste Ballerina „Le Sacre du printemps“ nackt tanzte. Mit sanfter, aber unerbittlicher Stimme leitet sie ihre Schülerinnen durch eine strenge Ausbildung in „Aktionsballett“, die „Sylphic Studies“. In gemeinsamen Ritualen lernen sie, Körper und Geist zu beherrschen, und eignen sich übernatürliche Kräfte an: von Mentalistentricks bis hin zum Fliegen. Körper schweben durch die Lüfte, scheinbar schwerelos, an Haaren oder Fleischerhaken aufgehängt.

Und dabei fließt auch jede Menge Blut. Im dritten Teil ihrer Trilogie über spektakuläre Körper und deren Disziplinierung inszeniert Florentina Holzinger brutale Parodien auf Szenen aus Ballett, Slapstick-Shows und Horrorfilm. Nichts für schwache Nerven. Aber was ist schon etwas Schock und Ekel gegen den Schmerz eines ganzen Ballerinalebens?

Credits

Konzept, Performance, Choreografie: Florentina Holzinger
Performance von und mit: Renée Copraij, Trixie Cordua, Evelyn
Frantti, Lucifire, Annina Machaz, Maria Netti Nüganen, Suzn Payson,
Laura Stokes, Veronica Thompson, Lydia Darling
Videodesign, Livekamera: Josefin Arnell
Sounddesign, Livesound: Stefan Schneider
Lichtdesign, technische Leitung: Anne Meeussen
Bühne: Nikola Knezevic
Bühnenbildassistenz: Camilla Smolders
Dramaturgie: Renée Copraij, Sara Ostertag
Außenblick: Michele Rizzo, Fernando Belfiore
Theorie, Recherche: Anna Leon
Coaching: Btissame Amadour, Ghani Minne, Dave Tusk
Musik-Coach: Almut Lustig
Stunt-Unterstützung: Haeger Stunt & Wireworks
Stunt-Unterricht: Stunt Cloud GmbH (Leo Plank, Phong Giang, Sandra Barger)
Management: Something Great & DANSCO
Distribution: Something Great
Produktion: Spirit
Produktionsleitung: Laura Andreß
Finanzadministration: Julia Haas/SMART
Kontakt für Gastspielanfragen: Katharina Wallisch, katharina[a]somethinggreat.de

Produktion

Koproduziert vonTanzquartier Wien, Spring Festival, Productiehuis Theater Rotterdam, Künstlerhaus Mousonturm, Arsenic, Münchner Kammerspiele, Take Me Somewhere Festival, deSingel, Beursschouwburg, Sophiensæle, Frascati Productions, Asphalt Festival, Theater im Pumpenhaus. Unterstützt von /O Espaço do Tempo, Fondation LUMA, De Châtel Award

Dank an CAMPO Gent, ImPulsTanz, Eva Beresin, Stefanie Leitner, Tanz-Archiv MUK Wien, Stimuleringsfonds Creative Industries.

Gefördert von Kulturabteilung der Stadt Wien, Bundeskanzleramt für Kunst und Kultur (BKA), Performing Arts Fund NL, Norma Fonds NL.

Biografie

Florentina Holzinger gilt als eine der provokantesten neuen Choreografinnen Europas. In ihren Arbeiten erkundet sie verschiedene Darstellungsweisen des Weiblichen und das Potenzial weiblicher Körperlichkeit. Dabei spielt sie bewusst mit Grenzverschiebungen zwischen Hochkultur und Unterhaltung, Pop und Trash. Auf mehrere Zusammenarbeiten mit Vincent Riebeek ab 2011 folgten das Solo „Recovery“, sowie „Apollon“. 2012 wurde Florentina Holzinger bei ImPulsTanz für ihr Solo „Silk“ mit dem Prix Jardin d’Europe ausgezeichnet. Zurzeit ist sie Artist in Residence am ICK in Amsterdam, ab 2021/22 wird sie u. a. an der von René Pollesch geleiteten Volksbühne in Berlin arbeiten.

The Kids are Alright

Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen

„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“, sagten die Eltern, als sie nach Deutschland kamen – und sahen ihre Kinder mit Rassismus aufwachsen. Die Video-Installation versammelt die Stimmen von sechs Menschen mit unterschiedlichem Migrationserbe, die von Generationenkonflikten, politischen Kämpfen und Zukunftsvisionen berichten.

Termine folgen, sofern die Veranstaltung stattfinden kann.

Tanzfaktur, Halle
Sprache: Deutsch mit englischen Untertiteln

© Mayra Wallraff
© Mayra Wallraff
© Mayra Wallraff

Ein weiter Raum, Videoleinwände, ein stilisiertes Spielplatz-Karussell, ein Schaukelpferd. Darauf sitzen die Zuschauer*innen und hören die Familienerzählungen junger Menschen, deren Familien in den Nachkriegsjahrzehnten nach Deutschland kamen – auf der Flucht vor Verfolgung, Krieg und Not. Sie sprechen über die Hoffnungen und Ansprüche ihrer Eltern, rassistische motivierte Ausgrenzung und Gewalt und über die politische Arbeit, die sie als Psychologin, antifaschistische Aktivistin oder Migrationsforscher für zukünftige Generationen machen: „Wir sind die Kinder der 90er Jahre. Und wir leben immer noch in Deutschland. Unsere Eltern mussten uns Solingen, Mölln und Rostock-Lichtenhagen erklären. Wir sprechen mit unseren Kindern über Halle und Hanau.“

Credits

Konzept: Simone Dede Ayivi
Video: Jones Seitz
Bühnenbild: Theresa Reiwer
Sound, Musik: Katharina Pelosi
Licht: Frieder Miller
Produktionsassistenz, dramaturgische Mitarbeit: Selma Böhmelmann
Ausstattungsassistenz: Chris Erlbeck
Kamera Außenaufnahmen: Thomas Machholz
Expert*innen: Nabila Bushra, Fatma Kar, Lenssa Mohammed, Dan Thy Nguyen, Kadir Özdemir
Produktionsleitung: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro
Technische Produktion: Gefährliche Arbeit

Produktion

Eine Produktion von Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen in Koproduktion mit Sophiensæle, Berlin. Gefördert durch die Basisförderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und durch Mittel des Hauptstadtkulturfonds.

Im Februar 2020 war St. Pauli für kurze Zeit um eine Attraktion reicher: Das Queens, ein Club nur für Frauen, die Männer begehren. Auf dem schmalen Grat zwischen Kunst, Sexarbeit und Fürsorge erlebten die Besucher*innen in 1:1-Begegnungen mit männlichen Performern, was viele seit Beginn der Pandemie schmerzlich vermissen: Berührung. Im Impulse-SHOWCASE ist das Team des Queens mit einer Videobotschaft vertreten.

03.06.21 19:00 04.06.21 05.06.21 06.06.21 07.06.21 08.06.21 09.06.21 10.06.21 11.06.21 12.06.21 13.06.21

Video on demand
Sprache: Deutsch

© Margaux Weiß
© Margaux Weiß
© Margaux Weiß

Produktion

Eine Koproduktion mit Kampnagel, Hamburg. Gefördert aus Mitteln des Elbkulturfonds der Freien und Hansestadt Hamburg.

Biografie

Sibylle Peters ist Performancekünstlerin und Kulturwissenschaftlerin, künstlerische Leiterin des FUNDUS THEATERS/THEATRE OF RESEARCH in Hamburg und Mitgründerin des Graduiertenkollegs Performing Citizenship. Sie arbeitet häufig mit dem Performancekollektiv geheimagentur. Ihre Schwerpunkte sind: Theorie und Praxis der Versammlung, transgenerationelle und partizipative Forschungsprozesse. Zu ihren jüngsten Projekten zählt QUEENS. DER HETERACLUB, das für den Impulse-SHOWCASE 2021 ausgewählt wurde.

Playblack

Joana Tischkau

It’s Showtime, Baby! In PLAYBLACK werden Songs und Interviews von Ikonen der Popgeschichte kopiert und angeeignet. Eine rasante Collage über die Rolle Schwarzer Entertainer*innen in der weiß dominierten Unterhaltungsindustrie.

03.06.21 21:00–22:00 05.06.21 21:00–22:00

+ Publikumsgespräch

Live-Stream aus der Tanzfaktur
Sprache: Englisch und Deutsch

© Daniel Michael Shaw
© Daniel Michael Shaw
© Daniel Michael Shaw
© Daniel Michael Shaw

„If you’re thinking about being my Baby, it don’t matter if you’re black or white” singt der King of Pop in seinem Hit. „Black or White“ ist eine audio-visuelle Symbiose zwischen weißen Rockgitarrenriffs und Schwarzem Gangster Rap. Zum Release 1991 schwärmt Michael Jacksons Plattenfirma Epic Records sogar von einem „’Rock n’ Roll dance song about racial harmony’“.

Popmusik behauptet immer wieder, rassistische Machtstrukturen überwinden zu können. Dieser Farbenblindheit begegnet PLAYBLACK mit einem kindlichen Trotz, der genau das Gegenteil beweist. Ungeniert klaut Joana Tischkau das Format der Mini Playback Show und zeigt darin, dass die weiße Erfahrung nicht allgemeingültig ist. In einem immer chaotischer werdenen Kampf mit Kostümen, Perücken und Tanzschritten imitieren die Performerinnen Interviews und Bühnenshows verschiedener Figuren der Popgeschichte: Choreografie, Gestik, Mimik, Playback – eine perfekte Kopie.

PLAYBLACK offenbart das ambivalente Potenzial der Nachahmung: Sie kann Solidaritätsbekundung sein, aber auch Karikatur. Das weiße Begehren nach Schwarzer Verkörperung wird entblößt, indem wir uns tief in den Abgründen, Erinnerungen und Projektionen Afroamerikanischer und -deutscher Kulturproduktionen verirren. Ab in die Zauberkugel!

Credits

Konzept und Choreografie: Clara Reiner, Joana Tischkau
Tonregie: Jan Gehmlich
Dramaturgie: Elisabeth Hampe
Performance: Annedore Antrie, Clara Reiner, Joana Tischkau sowie ein lokaler Chor
Kostüm: Ina Trenk
Print: Nadine Bakota
Licht: Dennis Dieter Kopp
Grafikdesign und Bühne: Justus Gelbert
Produktionsleitung: Lisa Gehring
Kontakt für Gastspielanfragen: Lisa Gehring, mail[a]lisagehring.de

Produktion

Eine Produktion von Joana Tischkau in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm und dem Studiengang Choreographie und Performance im Rahmen der Hessischen Theaterakademie, gefördert durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt.

Biografien

Annedore Adei Antrie studiert derzeit als einzige Person of Color im dritten Jahr Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Als schauspielender Mensch steht sie für studentische und freie Projekte auf der Bühne und vor der Kamera und hofft, dass sie als Schwarze Darstellerin nach ihrem Abschluss an interessanten und komplexen Rollen und Projekten mitwirken kann und ihr stereotype, nur durch ihr Schwarzsein markierte Charaktere erspart bleiben. Als Teilnehmerin der „Mini Playback“ Show würde sie Judi Jacksons Hit „Still“ performen.

Jan Gehmlich studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Er schreibt Songs, produziert Hörstücke, Podcasts, Soundcollagen und Bühnenarbeiten oftmals in Kollaboration. Sein Schaffen wird von dem Vorsatz geleitet, sich als weißer Cis-Mann in den Dienst feministischer und antirassistischer Kunstproduktion zu stellen, in der Frauen und POCs als Autor*innen auftreten können. Da das Kunstmachen nur die halbe Miete ist, fährt er mit einem Golfcaddy am Frankfurter Flughafen herum und bringt Passagiere zu ihrem Gate. Er ist auf der Suche nach Jobs im Bereich Ton, Performance und emotionale Fürsorge.

Elisabeth Hampe studierte Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Sie schreibt Konzepte, arbeitet als Performerin, Dramaturgin und nebenbei in einem Berliner Plattenladen. Ihr Interesse gilt den Repräsentationsmechanismen Schwarzer Musik und Kulturproduktion, so befasste sie sich z. B. kritisch mit dem viel diskutierten Mittel des Blackfacings auf deutschen Bühnen.

Dennis Dieter Kopp studierte Theater, Medien und Literatur an der Universität Hildesheim. Seit 2012 arbeitet er* als Beleuchter*, Performer* und Dramaturg* u. a. an den Münchner Kammerspielen sowie für Oliver Zahn//HAUPTAKTION, Thermoboy FK, christians//schwenk, Henrike Iglesias, Markus&Markus, Marie Simons und Ceren Oran und Joana Tischkau. Als Soloperformer* und Mitglied von cobragianni.cobra ist er* verantwortlich für „Let Me Be the Object of Your Desire“ (2012) und „EIN BISSCHEN MEHR MUSS MAN SCHON SEHEN oder: Wie ich mich in einen Schmetterling verwandelte“ (2017). Seine* künstlerische Praxis befasst sich vor allem mit Fragen kritischer Männlichkeitsforschung auf der Suche nach queeren, feministischen und intersektionalen Perspektiven.

Clara Reiner kam dank ihrer Kindheit in einem popfernen Haushalt erst durch die Arbeit an PLAYBLACK in den Genuss der „Mini Playback Show“. Inzwischen hat sie ein Gespür für die Fallstricke des Showbusiness und einen Ohrwurm entwickelt. Wenn sie nicht mit PLAYBLACK tourt, studiert sie Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Sie macht Stücke und Dinge, arbeitet meistens mit anderen und interessiert sich für nichtmenschliche Akteur*innen.

Joana Tischkau tanzt. Eine der ersten Erinnerungen daran ist der Moment, als sie zu Kaomas Hit „Lambada“ von 1989 auf einer Kindergeburtstagsparty abdancte. Diese Erfahrung bewegte sie dazu, sich bei der Tanzschule nebenan für Jazzdance, Streetdance und Videoclip-Dancing anzumelden. Später studierte sie Tanz und Schauspiel an der Coventry University in Großbritannien sowie Choreografie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Ihre künstlerische Praxis ist ein hybrides Durcheinander, das die Schriften von bel hooks auf Beatboxing treffen lässt, in dem ein Fitness-Workout aus weißem Bewegungsmaterial entsteht und Roberto Blanco als König Schwarzer deutscher Unterhaltungskunst gehuldigt wird. PLAYBLACK ist ihre Master-Abschlussinszenierung.

Ina Trenk studiert Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und lernte Joana Tischkau und Jan Gehmlich über die gemeinsame Arbeit am von Anne Kapsner initiierten Projekt „Der Ursprung der Welt“ an der Hessischen Theaterakademie kennen. Obwohl sie die Bühnenoutfits von Boney M. sofort inspirierten, kannte sie die Band vorher nicht. Ihr Lieblingssong ist „Green Grass of Tunnel“ von Múm.

Mit Echten singen

Tanja Krone und Friedrich Greiling (Mittekill)

30 Jahre nach der Wende fährt Tanja Krone in ihre sächsische Heimat und stellt Fragen: Was war da eigentlich los, ’89/90? Die Stimmen ihrer alten Weggefährt*innen fügen Krone und der Musiker Friedrich Greiling in einer Mischung aus Pop, Rock, Techno, Disco und Trance zusammen. Eine persönliche Konzert-Performance, die tiefe Einblicke in ostdeutsche Realitäten gewährt.

04.06.21 21:00–22:00

Live-Stream aus der Tanzfaktur
Sprache: Deutsch

© Manuela Krone
© Manuela Krone
© Jasper Kettner

Credits

On Stage: Tanja Krone, Friedrich Greiling
Backstage: Johanna-Yasirra Kluhs, Eva Lochner, Leonie Kusterer
Mit Texten von: Ulla, Manu, Herr H., Carmen K., Randy, Herr N., Frau M., Eric, Marco, Josi, Kati, Verena, Katja, Antje

Produktion

Mit Dank an HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Dresden.

Das Theater kommt zum Publikum nach Hause! Per Telefon sind die Zuhörer*innen untereinander und mit acht Teenagern aus Australien verbunden. In körperlicher Vereinzelung entsteht ein berührender Dialog zwischen den Generationen – über Nähe, Sexualität, Zukunftsängste und Trauer.

05.06.21 22:30–23:45 06.06.21 13:00–14:15 11.06.21 22:30–23:45 13.06.21 11:00–12:15 13.06.21 13:00–14:15

Online
Sprache: Englisch

© Pier Carthew
© Pier Carthew
© Pier Carthew

Die ursprüngliche Version des Stücks tourte 2019 erfolgreich auf den Bühnen Australiens und Europas. Vor dem Hintergrund der Pandemie hat Samara Hersch eine Version ihrer Arbeit entworfen, die es den Zuschauer*innen ermöglicht, von zu Hause aus teilzunehmen. Über digitale Signale verbunden tauschen Jugendliche und Erwachsene Wissen und Erfahrungen untereinander aus und lassen sich im Schutz der Anonymität auf die unsicheren Gefilde einer Begegnung mit Unbekannten ein.

Um an der Performance teilnehmen zu können, benötigen Sie einen Computer sowie ein Telefon mit WhatsApp-Zugang. Außerdem erhalten Sie per Post ein Päckchen mit Requisiten. Zur Abfrage der Nummer, unter der Sie bei WhatsApp zu erreichen sind, sowie Ihrer Postadresse senden wir Ihnen nach dem Ticketkauf eine E-Mail. Bitte schauen Sie ggf. auch in Ihrem Spam-Ordner nach.

Credits

Künstlerische Leitung: Samara Hersch

Creative Technology: Fred Rodrigues, Nathan Fain
Künstlerische Mitarbeit: Cassandra Fumi
Dramaturgie: Maria Rößler
Produktionsassistenz: Bec Reid
Photos: Pier Carthew

Produktion

BODY OF KNOWLEDGE wurde realisiert im Rahmen von Be SpectACTive! in Koproduktion mit SICK! Festival, Liveworks Festival of Experimental Art und Carriageworks. Die „At Home“-Version ist eine Koproduktion von Internationales Sommerfestival Kampnagel, Hamburg, und Zürcher Theater Spektakel.

Zehn Menschen hat der NSU ermordet. Ihre Namen können die meisten Deutschen noch nicht einmal korrekt aussprechen. Deshalb lädt Ülkü Süngün Passant*innen zu einem Sprachkurs ein. Ein temporäres Denkmal für Theodoros Boulgarides, Michèle Kiesewetter, Habil Kılıç, Mehmet Kubaşık, Abdurrahim Özüdoğru, Enver Şimşek, Süleyman Taşköprü, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar und Halit Yozgat.

05.06.21 14:00–14:45

+ Gespräch

Ebertplatz
Sprache: Deutsch

© Christian Schuller
© Christian Schuller
© Christian Schuller

Die Performance beginnt mit einem Lauttraining: Jeweils eine Person sitzt der Künstlerin gegenüber und übt mit ihr die türkische Aussprache der Buchstaben „r“, „z“, „ı“ und „ç“. Daraufhin lernen die Teilnehmendein, die Namen der zehn Opfer richtig auszusprechen, um sie dann gemeinsam mit Ülkü Süngün laut vorzutragen. Der Sprachkurs wird per Lautsprecher übertragen und so verstärkt, dass er rundherum hörbar ist. Mit jeder*m weiteren Teilnehmenden wird der „Chor der Sprechenden und Erinnernden“ lauter.

Takdir heißt übersetzt Anerkennung, Wertschätzung. Im Akt des repetitiven Aussprechens der Namen klingen Erinnerung und Anerkennung nach, es entsteht ein temporäres Denkmal an die NSU-Mordopfer. Ülkü Süngün hinterfragt in ihrer Performance Praktiken der Erinnerungskultur im öffentlichen Raum: Wer wird anerkannt, wer wird mit Denkmälern geehrt und wer nicht? Wie kann Erinnerung öffentlich stattfinden, ohne mit einem Monument bedacht zu werden? In welcher Form kann Erinnerung in Sprache gefasst werden? Und was bedeutet der jeweilige Moment des Erinnerns für jede*n Einzelne*n von uns?

Produktion

Eine Eigenproduktion von Ülkü Süngün.

Menschen sind verschieden, und das ist ganz normal. Aber was ist mit dem Unterschied zwischen Arm und Reich? Muss das so sein? Und ist das gerecht? Ein interaktives Gesellschaftsspiel über die Frage, wer oder was bestimmt, welche Wege Kindern offenstehen und welche nicht.

08.06.21 10:00–11:15

offene Schulvorstellung

08.06.21 18:00–19:15 09.06.21 10:00–11:15

offene Schulvorstellung

Online
Sprache: Deutsch
Für Kinder von 9 bis 14 Jahren (4. – 7. Klasse) und Erwachsene

Interessierte Lehrer*innen wenden sich bitte an info[a]impulsefestival.de.

© Daniela del Pomar
© Christian Brachwitz
© Christian Brachwitz

Im Publikum gibt es Gestreifte, Geblümte und welche mit Schrift auf der Kleidung. „Ich kann da keine Ordnung erkennen!“, ruft einer der Schauspieler. Oder werden Menschen doch sortiert? Turbo Pascal spielen mit dem Publikum gesellschaftliche Ordnungen durch und versuchen, Unordnung zu stiften. Die jungen Zuschauer*innen können sich selbst aussuchen, unter welcher Überschrift sie sich wohlfühlen — bei den Schüchternen, den Coolen, den Fußballfans, den Pferdefans.

Aber ist es auch okay, die Armen und Reichen auseinander zu sortieren? Und wann ist man arm, wann reich, wann in der Mitte? Ist reich, wer in einem Haus am Stadtrand mit eigenem Garten wohnt? Oder erst wer Aktien im Wert von fünf Millionen Euro besitzt? Wie wird man arm, wie wird man reich? Hat das damit zu tun, wer wieviel arbeitet? Oder ist das von Anfang an vorbestimmt? Und wie sind die Leute, die hier auftreten, eigentlich zum Theater gekommen? Die eine hat in der Elternlotterie Theaterfans gezogen, der andere erzählt, dass Geld für seine Eltern kein Thema war — er sollte sich einfach einen Beruf aussuchen, der ihm Spaß macht. Und ein Dritter hatte Eltern, die kaum Bücher besaßen. Nicht alle haben dieselben Startbedingungen, dieselben Chancen. Und wenn man die Unterschiede nicht kennt, dann kann man auch nichts daran ändern.

Hinweis:
Die Online-Performance findet mittels der Plattform „Zoom“ statt. Für die Teilnahme wird pro Person ein Rechner oder ein Laptop mit Kamera und Mikrofon (am besten mit Kopfhörern) benötigt, auf dem die aktuelle Version der Software installiert ist. Mit Tablets oder Handys funktioniert das Format leider nicht. Für die interaktive Teilnahme ist es wichtig, dass die Kamera eingeschaltet sein darf. Deshalb muss im Vorfeld eine Datenschutzerklärung ausgefüllt werden.

Ausgezeichnet mit dem IKARUS-Theaterpreis des JugendKulturService Berlin 2019

Credits

Darsteller*innen: Friedrich Greiling, Hanni Lorenz, Wolfgang Boos sowie in
wechselnder Besetzung: Eva Plischke, Angela Löer, Frank Oberhäußer
Regie: Turbo Pascal
Bühne, Kostüm: Janina Janke
Musik: Friedrich Greiling
Dramaturgie: Karola Marsch
Dramaturgische Beratung digitales Spielformat: Jutta Wangemann
Vermittlung: Maria Karamoutsiou
Regieassistenz: Meike Krämer
Assistenz Bühne + Kostüme: Orli Baruch
Bühnentechnik: Henning Beckmann
Lichtgestaltung: Rainer Pagel
Ton- und Videotechnik: Max Berthold
Maske: Annika Titzmann
Requisite: Sarah Kornettka
Ankleide: Ute Seyer

Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit Schulklassen der Hector-Peterson-Schule, der Pettenkofer-Grundschule, der Paavo-Nurmi-Grundschule und des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums.

Produktion

Junges Staatstheater Berlin – Theater an der Parkaue.

Biografie

Turbo Pascal entwickelt interaktive Performances, die das Theater zum Versammlungs- und Verhandlungsraum gesellschaftlicher Prozesse, Dynamiken und Utopien machen. Zudem realisiert das Kollektiv, das sich im Kontext des Studiengangs Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim gründete, partizipative Projekte mit Bürger*innen oder Jugendlichen und konzipiert Gesprächs- und Kommunikationsformate. Seit 2008 hat das Kollektiv seinen Sitz in Berlin und arbeitet kontinuierlich mit den Sophiensælen zusammen, außerdem mit dem HAU, dem Deutschen Theater und dem Theater an der Parkaue. Turbo Pascal sind Angela Löer, Eva Plischke, Frank Oberhäußer, Margret Schütz (Konzeption, Performance), Friedrich Greiling (Musik), Janina Janke (Raum) sowie Lisanne Grotz und Marit Buchmeier (Produktion).

Reinheit, Unschuld, Perfektion — das sind die Attribute der Jungfrau Maria. In einem lust- und humorvollen Solo sucht Teresa Vittucci nach dem feministischen Potenzial dieser Ikone und zeigt, wie der Mythos der bis zum ersten Sex versiegelten Frau bis heute Vorstellungen von Weiblichkeit beeinflusst.

10.06.21 20:00–21:00 11.06.21 21:00–22:00

Live-Stream aus der Tanzfaktur
Sprache: Englisch
Altersfreigabe: ab 18 Jahren

© Yushiko Kusano
© Yushiko Kusano
© Yushiko Kusano

Maria gilt im Christentum als die ideale Frau. Denn sie vereinbart das Unvereinbare, sie ist Jungfrau und Mutter zugleich. Reale Frauen können diesem Ideal niemals gerecht werden. Der Marienkult stellt sie vor eine unerfüllbare Herausforderung. Damit ist Maria eine der Quellen von Selbsthass und Hass auf Frauen.

Aber Maria ist auch barmherzig, verletzlich und voller Liebe. Teresa Vittucci schafft Bilder, die diesen Eigenschaften andächtig Raum geben — und zeigt schonungslos auf all die Lügen und falschen Vorstellungen rund um die jungfräuliche Frau. Aus einem stillen Bild erwächst eine wütende Anklage. Vittucci räumt auf mit der Geschichte vom Jungfernhäutchen als einem Verschluss mit Frischegarantie, der beim ersten Sex durchstoßen wird. Die Ikone ermächtigt sich.

Credits

Konzept und Performance: Teresa Vittucci
Dramaturgische Beratung: Benjamin Egger, Veza Fernández, Rafał Pierzyński
Bühne: Jasmin Wiesli, Teresa Vittucci
Produktionsmanagement: groundworkers // Kira Koplin
Produktion: OH DEAR Zürich
Kontakt für Gastspielanfragen: Kira Koplin, kira[a]groundworkers.at

Produktion

Koproduktion: Tanzhaus Zürich, Zürcher Theater Spektakel. Entwickelt im Rahmen des PREMIO-Nachwuchspreises für Theater und Tanz, Espacio do Tempo Montemor. Gefördert von Migros-Kulturprozent, Pro Helvetia, Ernst Göhner Stiftung.

Mit besonderem Dank an Julia Haenni, Gina Gurtner und Simone Aughterlony.

Biografie

Teresa Vittucci ist Choreografin und Performerin. Sie absolvierte das Konservatorium in Wien, die Ailey School sowie die Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD) und machte ihren M.A. an der Hochschule der Künste Bern. Seit 2013 arbeitet sie als Soloperformerin und entwickelt Stücke wie „UNLEASH“ (2012), „LUNCHTIME“ (2015), „ALL EYES ON“ (2017) und HATE ME, TENDER (2018). Sie kollaborierte mit zahlreichen Künstler*innen, darunter Simone
Aughterlony, Marie-Caroline Hominal, Trajal Harrell und Nils Amadeus Lange. 2019/20 ist Teresa Vittucci Young Associate Artist (YAA!) des Tanzhaus Zürich. Mit HATE ME, TENDER gewann sie 2019 den Schweizer Tanzpreis.

Heavy Hitters

Phil Hayes

Ein trauriger Song, schwache Knie, die scheiternden Schläge eines Boxers. Phil Hayes und John Rowley ringen um die mit der Frage, wann es für einen alternden Körper an der Zeit ist aufzuhören. Wie viel Blut, wie viel Schweiß muss fließen? Wie viel Schmerz muss sein, bis man endlich sagt: Es reicht!

Termine folgen, sofern die Veranstaltung stattfinden kann.

Tanzfaktur, Grube
Sprache: Englisch

© Niklaus Spoerri
© Niklaus Spoerri
© Niklaus Spoerri
© Niklaus Spoerri

Phil Hayes und John Rowley kennen sich als Bühnen-Sparringspartner seit vielen Jahren. In HEAVY HITTERS üben sie sich gemeinsam im tragischen, heroischen Scheitern: Der eine boxt, der andere singt. Wer treibt hier wen an, warum und wofür? Das Publikum wird Zeuge, wie das Duo an die Grenze des Durchhaltevermögens geht, die Beharrlichkeit bis zum Äußersten ausreizt. Immer wieder aufstehen, es immer wieder versuchen. Musikalisch und leise verstörend.

Credits

Konzept, Regie, Musik: Phil Hayes

Creation, Performance: Phil Hayes, John Rowley
Licht, Technik: Patrik Rimann
Produktionsleitung: Lukas Piccolin
Tour Management: Lise Leclerc

Produktion

Eine Produktion von First Cut Productions in Koproduktion mit der Gessnerallee, Zürich.

Was bedeutet „Familie“ im 21. Jahrhundert? Sieben Geschichten aus der postsowjetischen Republik Moldau räumen auf mit idyllischen Klischees, zeigen stattdessen die Realität von Armut und Unterdrückung. Eine theatrale Austreibung von Kapitalismus und Patriarchat.

ENTFÄLLT

Schauspiel Köln, Depot 2
Sprache: moldauisches Rumänisch, Russisch, Romani mit deutschen und englischen Übertiteln

© Dorothea Tuch
© Dorothea Tuch
© Dorothea Tuch

Anfang der 1990er-Jahre erklärt die Republik Moldau ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Doch dem neu geschaffenen Staat gelingt es nicht, für das Wohl seiner Bürger*innen zu sorgen. Viele verlassen ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten. Eltern müssen ihre Kinder zurücklassen, Paare entfremden sich, Familien fallen auseinander. Die Regierung bietet keine Hilfe an und setzt unbeirrt ihre christlich geprägte Rhetorik von der traditionellen Familie als höchstem Gut fort. ABOLIREA FAMILIEI räumt auf mit idyllischen Vorstellungen von Sorge, Liebe und Unterstützung. Die Darsteller*innen erzählen andere Familiengeschichten. Sie erzählen von an- und abwesenden Müttern und Vätern, von entrechteten Frauen, von Krankheit und Tod, von häuslicher Gewalt und von einem entbehrungsreichen Leben, aber auch von Familien jenseits der, die aus einem verheirateten heterosexuellen Paar entsteht, und von der gelungenen Flucht aus Diskriminierung und Armut.

Und immer wieder erklingt eine kollektive Stimme, finden die Darsteller*innen sich zu einem Chor zusammen, der eine andere Zukunft heraufbeschwört. Kämpferisch verfluchen sie Monogamie, Patriarchat, den Staat, Privateigentum und Kapitalismus. Als moderne Hexen, als Kinder, Eltern und Geschwister, als solidarische Gemeinschaft.

Credits

Eine Performance von: Nicoleta Esinencu, Antosea Darca und Elena Anmeghichean, Cătălina Bucos, Doina-Romanța Dochitan, Nora Dorogan, Ciprian Marinescu, Kira Semionov, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky
Performer*innen: Elena Anmeghichean, Cătălina Bucos, Doina-Romanța Dochitan, Nicoleta Esinencu, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky
Lichtdesign: Ulrich Kellermann
Sounddesign: Janis Klinkhammer
Dramaturgische Beratung: Aenne Quiñones
Produktionsleitung: Anna Krauß
Technische Leitung: Annette Becker
Kontakt für Gastspielanfragen: Anna Krauß, a.krauss[a]hebbel-am-ufer.de

Produktion

Produktion: HAU Hebbel am Ufer. Koproduktion: FFT Düsseldorf, teatru-spălătorie. Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Goethe-Institut. Mit freundlicher Unterstützung des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) und des Freundeskreises des HAU Hebbel am Ufer. Nicoleta Esinencu ist Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Biografie

Nicoleta Esinencu lebt und arbeitet als Autorin und Regisseurin in Chișinău. Nach einem Stipendium an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart wurde sie mit „FUCK YOU, Eu.ro.Pa!“ international bekannt und gewann den rumänischen dramAcum-Theaterpreis. 2010 war Esinencu Mitbegründerin der unabhängigen Initiative teatru-spălătorie für einen alternativen Kunstraum in Chișinău. Ihre Theaterprojekte betrachten die gesellschaftliche Realität in der Republik Moldau und die damit verbundenen Widersprüche der postsowjetischen Zeit unter einem kritischen Blickwinkel auf die gesamteuropäische Geschichte. Seit 2012 arbeitet Nicoleta Esinencu kontinuierlich mit dem HAU Berlin zusammen, 2019/20 als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

„Take my hand as we collect Dosenpfand“, fordern Fehler Kuti und die Polizei. In ihrer Bühnenshow wirbeln sie Musik, Theater und Theorie durcheinander. Heraus kommt ein tanzbares quasireligiöses Ritual, das die rassistischen und kapitalistischen Machtverhältnisse eines Landes offenbart, in dem es noch nie gleiche Rechte und Chancen für alle gegeben hat.

11.06.21 12.06.21

11.06. 22:00-24:00: Live-Stream und Chat mit Julian Warner
12.06. 00:00–24:00: Video on demand
Sprache: Deutsch und Englisch

© Julian Baumann
© Julian Baumann
© Julian Baumann
© Julian Baumann

Die Polizei spielt auf. Frontman Fehler Kuti besingt deutsches Sicherheitsbedürfnis, Heimat- und Ordnungspolitik: von der Verklärung des deutschen Waldes über Deindustrialisierung und Klassenkampf bis hin zu Informationsgesellschaft und racial profiling. Gemeinsam offenbaren sie die rassistischen und kapitalistischen Machtverhältnisse eines Landes, in dem es noch nie gleiche Rechte und Chancen für alle gegeben hat. Wer ist hier die Polizei, wer setzt die herrschende Ordnung durch, wer hält sie am Leben?

Credits

Von und mit Markus Acher, Micha Acher, Cico Beck, Fehler Kuti, Theresa Loibl, Sascha Schwegeler

Dramaturgie: Adele Mike Dittrich Frydetzki
Bühne: Jana Schützendübel
Kostüm: Katharina Böhringer
Licht: Jonaid Khodabakhshi
Ton: Nicolas Sierig
Kamera: Nicole Marianna Wytyczak, Joel Heyd
Schnitt: Su Steinmassl
Produktionsmanagement: Veronika Heinrich

Produktion

Eine Produktion von Julian Warner in Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen. Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

Auswahl 2021

Bei der diesjährigen Auswahl zum SHOWCASE schlug das Impulse Theater Festival einen Sonderweg ein. Endgültig eingeladen werden können nur jene Produktionen aus der getroffenen Auswahl, die unter den zum Festivalzeitpunkt geltenden Hygieneauflagen realisierbar sind. Wird eine Arbeit ausgewählt, kann aber nicht gezeigt werden, erhalten die Künstler*innen ein Preisgeld. Damit will das Festival den Planungsunsicherheiten und existenziellen Sorgen, denen Künstler*innen derzeit ausgesetzt sind, ein Stück weit entgegenwirken.

Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen

THE KIDS ARE ALRIGHT
„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“, haben die Eltern gesagt, als sie nach Deutschland kamen – und sahen ihre Kinder mit Rassismus aufwachsen. Die Video-Installation versammelt die Stimmen von sechs Menschen mit unterschiedlichem Migrationserbe, die von Generationenkonflikten, politischen Kämpfen und Zukunftsvisionen berichten.
Eine Produktion von Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen in Koproduktion mit den Sophiensælen, Berlin. Gefördert durch die Basisförderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und durch Mittel des Hauptstadtkulturfonds.

God’s Entertainment
GGGNHM – GUGGENHEIM IN FLORIDSDORF?
Ein Guggenheim zum Aufblasen! Aufgestellt in einem Wiener Randbezirk war die Nachbildung des berühmten New Yorker Museums gleichzeitig Attraktion und Streitobjekt. Die Gruppe God’s Entertainment zeigte dort Erinnerungen, die sonst in keinem Museum Platz finden, und stellt sich damit kritisch gegen Kunst als Mittel von Aufwertung und Stadtmarketing.
Eine Produktion von God's Entertainment in Kooperation mit DI Thomas Herzig (pneumocell) und BMS Production Group. Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien und SHIFT – Basis Kultur Wien.

Phil Hayes
HEAVY HITTERS
Ein trauriger Song, schwache Knie, die scheiternden Schläge eines Boxers. Phil Hayes und John Rowley ringen um die Frage, wann es für einen alternden Körper an der Zeit ist aufzuhören. Wie viel Blut, wie viel Schweiß muss fließen? Wie viel Schmerz muss sein, bis man endlich sagt: Es reicht?
Eine Produktion von First Cut Productions in Koproduktion mit der Gessnerallee, Zürich.

Samara Hersch
BODY OF KNOWLEDGE (AT HOME)
Das Theater kommt zum Publikum nach Hause! Per Telefon sind die Zuhörer*innen untereinander und mit acht Teenagern aus Australien verbunden. In körperlicher Vereinzelung entsteht ein berührender Dialog zwischen den Generationen – über Nähe, Sexualität, Zukunftsängste und Trauer.
BODY OF KNOWLEDGE wurde realisiert im Rahmen von Be SpectACTive! in Koproduktion mit SICK! Festival, Liveworks Festival of Experimental Art und Carriageworks. Die „At Home“-Version ist eine Koproduktion von Internationales Sommerfestival Kampnagel, Hamburg und Zürcher Theater Spektakel.

Tanja Krone und Friedrich Greiling (Mittekill)
MIT ECHTEN SINGEN
30 Jahre nach der Wende fährt Tanja Krone in ihre sächsische Heimat und stellt Fragen: Was war da eigentlich los, 89/90? Die Stimmen ihrer alten Weggefährt*innen fügen Krone und der Musiker Friedrich Greiling in einer Mischung aus Pop, Rock, Techno, Disco und Trance zusammen. Eine persönliche Konzert-Performance, die tiefe Einblicke in ostdeutsche Realitäten gewährt.
Mit Dank an HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Dresden.

Sibylle Peters
QUEENS. DER HETERACLUB
Im Februar 2020 war St. Pauli für kurze Zeit um eine Attraktion reicher: Das Queens, ein Club nur für Frauen, die Männer begehren. Auf dem schmalen Grat zwischen Kunst, Sexarbeit und Fürsorge erlebten die Besucher*innen in 1:1-Begegnungen mit männlichen Performern, was viele seit Beginn der Pandemie schmerzlich vermissen: Berührung.
Eine Koproduktion mit Kampnagel, Hamburg. Gefördert aus Mitteln des Elbkulturfonds der Freien und Hansestadt Hamburg.

Ülkü Süngün
TAKDIR. DIE ANERKENNUNG
Zehn Menschen hat der NSU ermordet. Ihre Namen können die meisten Deutschen noch nicht einmal korrekt aussprechen. Deshalb lädt Ülkü Süngün Passant*innen zu einem Sprachkurs ein. Ein temporäres Denkmal für Theodoros Boulgarides, Michèle Kiesewetter, Habil Kılıç, Mehmet Kubaşık, Abdurrahim Özüdoğru, Enver Şimşek, Süleyman Taşköprü, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar und Halit Yozgat.
Eine Eigenproduktion von Ülkü Süngün.

Joana Tischkau, Elisabeth Hampe, Frieder Blume, Anta Helena Recke
DEUTSCHES MUSEUM FÜR SCHWARZE UNTERHALTUNG UND BLACK MUSIC
Das DMSUBM ist ein Raum für Schwarze Kultur, Popularmusik und Geschichte. Es beherbergt ein umfassendes Archiv von Schallplatten, Magazinen, Autogrammen und anderen Gegenständen, die bislang kaum museal gewürdigt wurden. Damit setzt das DMSUBM auch ein Statement gegen die herrschende Geschichtsschreibung.
Eine Produktion von Tischkau & Hampe, künstlerische Kollaboration: Blume und Recke, in Koproduktion mit Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt am Main und HAU Hebbel am Ufer, Berlin. Gefördert durch das Kulturamt Frankfurt am Main, den Fonds Darstellende Künste e.V. sowie die Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin.

Julian Warner
THE HISTORY OF THE FEDERAL REPUBLIC OF GERMANY AS TOLD BY FEHLER KUTI UND DIE POLIZEI
„Take my hand as we collect Dosenpfand“, fordern Fehler Kuti und die Polizei. In ihrer Bühnenshow wirbeln sie Musik, Theater und Theorie durcheinander. Heraus kommt ein tanzbares, quasi-religiöses Ritual, das die rassistischen und kapitalistischen Machtverhältnisse eines Landes offenbart, in dem es noch nie gleiche Rechte und Chancen für alle gegeben hat.
Eine Produktion von Julian Warner in Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen. Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.