2. – 13. Juni 2021 in Köln, Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr
DE / EN
Newsletter
Kontakt

Programm

Auswahl 2021

Bei der diesjährigen Auswahl schlägt das Impulse Theater Festival einen Sonderweg ein. Damit will das Festival den Planungsunsicherheiten und existenziellen Sorgen, denen Künstler*innen derzeit ausgesetzt sind, ein Stück weit entgegenwirken:

Endgültig eingeladen werden können nur jene Produktionen aus der getroffenen Auswahl, die unter den zum Festivalzeitpunkt geltenden Hygieneauflagen realisierbar sind. Wird eine Arbeit ausgewählt, kann aber nicht gezeigt werden, erhalten die Künstler*innen ein Preisgeld.

Das tatsächliche Programm der diesjährigen Festivalausgabe wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben und laufend adaptiert.

Auswahl 2021:

Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen
THE KIDS ARE ALRIGHT
„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“, haben die Eltern gesagt, als sie nach Deutschland kamen – und sahen ihre Kinder mit Rassismus aufwachsen. Die Video-Installation versammelt die Stimmen von sechs Menschen mit unterschiedlichem Migrationserbe, die von Generationenkonflikten, politischen Kämpfen und Zukunftsvisionen berichten.
Eine Produktion von Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen in Koproduktion mit den Sophiensælen, Berlin. Gefördert durch die Basisförderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und durch Mittel des Hauptstadtkulturfonds.

God’s Entertainment
GGGNHM – GUGGENHEIM IN FLORIDSDORF?
Ein Guggenheim zum Aufblasen! Aufgestellt in einem Wiener Randbezirk war die Nachbildung des berühmten New Yorker Museums gleichzeitig Attraktion und Streitobjekt. Die Gruppe God’s Entertainment zeigte dort Erinnerungen, die sonst in keinem Museum Platz finden, und stellt sich damit kritisch gegen Kunst als Mittel von Aufwertung und Stadtmarketing.
Eine Produktion von God's Entertainment in Kooperation mit DI Thomas Herzig (pneumocell) und BMS Production Group. Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien und SHIFT – Basis Kultur Wien.

Phil Hayes
HEAVY HITTERS
Ein trauriger Song, schwache Knie, die scheiternden Schläge eines Boxers. Phil Hayes und John Rowley ringen um die Frage, wann es für einen alternden Körper an der Zeit ist aufzuhören. Wie viel Blut, wie viel Schweiß muss fließen? Wie viel Schmerz muss sein, bis man endlich sagt: Es reicht?
Eine Produktion von First Cut Productions in Koproduktion mit der Gessnerallee, Zürich.

Samara Hersch
BODY OF KNOWLEDGE (AT HOME)
Das Theater kommt zum Publikum nach Hause! Per Telefon sind die Zuhörer*innen untereinander und mit acht Teenagern aus Australien verbunden. In körperlicher Vereinzelung entsteht ein berührender Dialog zwischen den Generationen – über Nähe, Sexualität, Zukunftsängste und Trauer.
BODY OF KNOWLEDGE wurde realisiert im Rahmen von Be SpectACTive! in Koproduktion mit SICK! Festival, Liveworks Festival of Experimental Art und Carriageworks. Die „At Home“-Version ist eine Koproduktion von Internationales Sommerfestival Kampnagel, Hamburg und Zürcher Theater Spektakel.

Tanja Krone und Friedrich Greiling (Mittekill)
MIT ECHTEN SINGEN
30 Jahre nach der Wende fährt Tanja Krone in ihre sächsische Heimat und stellt Fragen: Was war da eigentlich los, 89/90? Die Stimmen ihrer alten Weggefährt*innen fügen Krone und der Musiker Friedrich Greiling in einer Mischung aus Pop, Rock, Techno, Disco und Trance zusammen. Eine persönliche Konzert-Performance, die tiefe Einblicke in ostdeutsche Realitäten gewährt.
Mit Dank an HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Dresden.

Sibylle Peters
QUEENS. DER HETERACLUB
Im Februar 2020 war St. Pauli für kurze Zeit um eine Attraktion reicher: Das Queens, ein Club nur für Frauen, die Männer begehren. Auf dem schmalen Grat zwischen Kunst, Sexarbeit und Fürsorge erlebten die Besucher*innen in 1:1-Begegnungen mit männlichen Performern, was viele seit Beginn der Pandemie schmerzlich vermissen: Berührung.
Eine Koproduktion mit Kampnagel, Hamburg. Gefördert aus Mitteln des Elbkulturfonds der Freien und Hansestadt Hamburg.

Ülkü Süngün
TAKDIR. DIE ANERKENNUNG
Zehn Menschen hat der NSU ermordet. Ihre Namen können die meisten Deutschen noch nicht einmal korrekt aussprechen. Deshalb lädt Ülkü Süngün Passant*innen zu einem Sprachkurs ein. Ein temporäres Denkmal für Theodoros Boulgarides, Michèle Kiesewetter, Habil Kılıç, Mehmet Kubaşık, Abdurrahim Özüdoğru, Enver Şimşek, Süleyman Taşköprü, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar und Halit Yozgat.
Eine Eigenproduktion von Ülkü Süngün.

Joana Tischkau, Elisabeth Hampe, Frieder Blume, Anta Helena Recke
DEUTSCHES MUSEUM FÜR SCHWARZE UNTERHALTUNG UND BLACK MUSIC
Das DMSUBM ist ein Raum für Schwarze Kultur, Popularmusik und Geschichte. Es beherbergt ein umfassendes Archiv von Schallplatten, Magazinen, Autogrammen und anderen Gegenständen, die bislang kaum museal gewürdigt wurden. Damit setzt das DMSUBM auch ein Statement gegen die herrschende Geschichtsschreibung.
Eine Produktion von Tischkau & Hampe, künstlerische Kollaboration: Blume und Recke, in Koproduktion mit Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt am Main und HAU Hebbel am Ufer, Berlin. Gefördert durch das Kulturamt Frankfurt am Main, den Fonds Darstellende Künste e.V. sowie die Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin.

Julian Warner
THE HISTORY OF THE FEDERAL REPUBLIC OF GERMANY AS TOLD BY FEHLER KUTI UND DIE POLIZEI
„Take my hand as we collect Dosenpfand“, fordern Fehler Kuti und die Polizei. In ihrer Bühnenshow wirbeln sie Musik, Theater und Theorie durcheinander. Heraus kommt ein tanzbares, quasi-religiöses Ritual, das die rassistischen und kapitalistischen Machtverhältnisse eines Landes offenbart, in dem es noch nie gleiche Rechte und Chancen für alle gegeben hat.
Eine Produktion von Julian Warner in Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen. Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

Auswahl-Gremium

Sichtungen und Auswahl übernahm der Impulse-Beirat. Er besteht aus dem künstlerischen Team der Impulse sowie externen regionalen Expert*innen und Publikumsvertreter*innen des diesjährigen SHOWCASE-Partners, studiobühneköln. Der SHOWCASE ist der jurierte Teil des Festivals. Alle sechs Mitglieder des Beirats haben unabhängig und gleichberechtigt entschieden. Die jeweiligen Scouts haben eine Vorsichtung ihrer Region vorgenommen. Gemeinsam wurde aus allen gesichteten Produktionen eine Longlist erstellt, über die wiederum bei einer Auswahlsitzung mittels Punktesystem und Diskussionen das Programm bestimmt wurde. Die beiden weiteren Säulen des Festivals – das STADTPROJEKT und die AKADEMIE – werden kuratiert.

Die Beiräte für 2020 und 2021 sind Gin Müller (Scout Österreich), Alexander Olchawa (Publikumsvertreter studiobühneköln), Gabriele Oßwald (Scout Süddeutschland), Haiko Pfost (Künstlerische Leitung Impulse Theater Festival, Scout überregional), Wilma Renfordt (Dramaturgie Impulse Theater Festival, Scout Norddeutschland) und Barbara Weber (Scout Schweiz).

Showcase, Köln + Online

Achtung:
Das endgültige Programm des SHOWCASE 2021 entspricht nicht der „Auswahl 2021” und wird laufend adaptiert. In diesem Jahr können coronabedingt nicht alle ausgewählten Produktionen realisiert werden. Das Programm wird, wenn möglich, um Produktionen erweitert, die im letzten Jahr nicht gezeigt werden konnten.

In Kooperation mit der studiobühneköln werden an verschiedenen Kölner Spielstätten und online auch in diesem Jahr herausragende und herausfordernde Produktionen zu sehen sein. Der SHOWCASE zeigt das Besondere der Freien Szene in einer großen Vielfalt unterschiedlicher Theaterformen – darunter viele Entdeckungen.

Akademie, Düsseldorf + Online

Die Impulse-AKADEMIE ist einer der zentralen Orte für die Selbstverständigung des Freien Theaters. Die beiden diesjährigen Akademien beschäftigen sich einerseits mit der Archivierung von 30 Jahren Festivalgeschichte, andererseits mit dem Verlust körperlicher Zusammenkünfte während der Pandemie.

AKADEMIE #1 — GESCHICHTE WIRD GEMACHT

Ein performatives Archiv des Freien Theaters

Mit künstlerischen Arbeiten von: Interrobang, Christina Irrgang, notfoundyet, Lucie Strecker, Otmar Wagner, Anna Kpok, Ben J. Riepe, Çakey Blond, Futur3, PIMA sowie Studierenden der Ruhr-Universität Bochum und der Hochschule für Bildende Künste Dresden

Seit der Gründung des Impulse Festivals hat sich das Freie Theater stark verändert: ästhetisch, inhaltlich und strukturell. Welche Spuren hat dies in 31 Jahren Festivalgeschichte hinterlassen, welche Überreste sind geblieben? Wie lassen sich mit ihrer Hilfe Aussagen über die Vergangenheit treffen? Und wie könnte ein Archiv aussehen, das die Vergangenheit nicht bloß konserviert, sondern auch vergegenwärtigt? Die Impulse-AKADEMIE errichtet ein solches nun temporär: In einem leerstehenden Gebäude in Düsseldorf entsteht ein lebendiges Archiv aus drei Jahrzehnten Festivalgeschichte. Die Impulse-AKADEMIE ist Kunstarchiv und Archivkunst zugleich.

AKADEMIE #2 — LOST IN SPACE?

Theatrale Gemeinschaft, Protest und internationale Zusammenarbeit in einer körperlosen Zeit

Die Pandemie hat die Theater weltweit hart getroffen. An den Orten, die geschaffen wurden, damit Körper sich versammeln und eine gemeinsame sinnliche Erfahrung teilen können, herrscht seit über einem Jahr die meiste Zeit: Leere. Die Impulse-Akademie schaut sich diesen Zustand genauer an. Was geht verloren, wenn Aufführungen und Arbeitsprozesse im digitalen Raum stattfinden? Was wird gewonnen?

Die drei Akademietage finden in einem hybriden Format sowohl online als auch vor Ort in Düsseldorf, Bangalore, Bern, Johannesburg und Minsk statt. Die Vorträge und Diskussionen am Vormittag fokussieren auf die Rolle des Körpers für Gemeinschaftsbildung, politischen Protest und internationale Zusammenarbeit. In einem mehrtägigen Workshop am Nachmittag erproben die Teilnehmenden die Kunst von Berührung, Geruch, Nähe und Verwundbarkeit.

Stadtprojekt, Mülheim an der Ruhr

Das STADTPROJEKT in Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr beschäftigt sich mit der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich. Das Projekt der Künstler*innengruppe Club Real zeigt, wie sich die soziale Schere immer weiter öffnet, langsam, aber stetig. Wie lang geht das gut? Was kann die Gesellschaft aushalten? DIE GROSSE SCHERE macht es unmöglich, die zunehmende Ungleichheit zu übersehen. Wie können wir die Schere wieder schließen? Wie die leere Mitte wieder füllen?